Neues aus der Handelswelt
Mit Forschung und Beratung erfolgreich im Handeln
#Verstehen
#Planen
#Machen
#Teilen
Expertise für Handel im digitalen Zeitalter
Menu
Studien und Marktdaten zum Kauf / Download
Studien
Daten
Spannende Projekte aus der IFH Welt
DIe EVENTS DES IFH KÖLN
10. Juni 2021

„Das Geld liegt auf der Straße“ – so lautet ein altes Sprichwort. „Man braucht sich nur danach zu bücken, um es aufzuheben“, heißt es weiter. Und wo wäre das zutreffender, könnte man meinen, als beim aktuell viel diskutierten Thema der Mikromobilität. Die Welt der Leihräder, Roller und Scooter prägt unser Straßenbild, treibt die Neue Mobilitäts-Bewegung und eine tiefgreifende Mobilitäts-Transformation.

Das ECC KÖLN hat nachgeprüft. Wir sind in die Großstädte gegangen, in Deutschland, den Niederlanden und den USA. Und wir haben in der Altersgruppe der 18- bis 55-Jährigen, der jungen Zielgruppe und Außer-Haus-Mobilen, interviewt. Und zwar: Wie oft und wo sind sie auf der Straße unterwegs? Welche Verkehrsmittel werden genutzt? Ist Sharing eine theoretische Alternative, und gar eine genutzte Option? Und schließlich: Liegt das Geld wirklich auf der Straße?

  1. Außer-Haus-Leben: Wenn Mobilität zum Lebensentwurf wird

Fangen wir vorne an. Unsere Daten zeigen, dass über 80 Prozent der befragten jungen Großstädter sich fast täglich außerhalb der eigenen vier Wände bewegen. Hauptschauplätze sind, wenig überraschend, die Arbeit, die Geschäfte in der Nachbarschaft und der Supermarkt, und dann – in der Freizeit – das Restaurant oder Café, die Kneipe oder Bar.

Der eigene Pkw und das eigene Rad werden dabei viel genutzt. Der Abgesang auf das eigene Auto kommt jedoch offenbar viel zu früh. Teilen ist in vielen Fällen eben nicht das neue Haben. Im Gegenteil, der Pkw-Bestand wächst Jahr für Jahr. Und ja, die Jugend macht noch den Führerschein und fährt auch noch Auto. Die Zufriedenheit mit den eigenen Transportmitteln, vor allem mit dem eigenen Auto vor der Haustür, ist im Übrigen auch am höchsten, wie unsere Daten zeigen. Deutlich höher als die Zufriedenheit mit Sharing-Fahrzeugen, ob Auto, Rad oder Scooter.

Aber: Die Mikromobilität legt zu. Scooter, Sharing-Bikes, Shuttle und Fahrdienste gehen in die Lücken, die verstopften Knotenpunkte, die chaotischen Ankunfts- und Umsteigezonen, die lästigen Wartezeiten. Sie beschleunigen die Kurz-Besorgung, transportieren den Großeinkauf oder befördern das Möbelstück. Lieber ein Auto sharen als Sitze und Dachhimmel des eigenen Pkw mit der sperrigen Küchen-Eckbank beschädigen. Und: Mikromobilität wird zum Ereignis an sich, mal cruisen und posen, die Freundin hinten auf dem Trittbrett. Mal Bewegung erfahren und Geschwindigkeit spüren, der Wind in den Haaren.

Handel als Profiteur von Shared Mobility

Winken, wischen, suchen, buchen - losfahren

Vieles geschieht spontan und flexibel. Man läuft über die Straße, sieht die bunten Scooter-Wolken, das grün-orangene Citybike, den Uber-Fahrdienst. Vielleicht auch den vorbeisausenden Scooter. Oder nur ein Plakat davon. Und man legt los. Winkt, sucht, wischt, bucht. Schnell aufspringen und losfahren: One Tap und die Räder drehen sich, die Technik macht es möglich.

Der Spontan-Markt ist mittlerweile ein Milliarden-Markt. Der Kampf um die mobilen Kundinnen und Kunden ist entbrannt. Immer mehr Sharing-Anbieter gehen in die Metropolen, und von da aus in die Mittel- und Kleinstädte. Hier ist der Wettbewerb (noch) kleiner, man kann den eigenen Sharing-Dienst leichter auf die Straße bringen. Und ungleiche Wettbewerber treten gegeneinander an: Der lokale Bikesharing-Anbieter kämpft gegen digitale Global Player, die Taschen voller Venture Capital, kämpft gegen die nationale Bahngesellschaft, mit weitverzweigtem Schienennetz und Fahrradständer vor jedem Bahnhof. Und irgendwo mischen auch die Fahrzeughersteller mit, versuchen es zumindest, mit Autos, Shuttles und Rädern.

Das alles zeigt sich als bunter Flickenteppich. Eine Datenbank der Free Floating Sharing Systeme zeigt für Europa über 970 Stadt-Anbieter-Kombinationen. An allen Ecken und Enden blüht das Sharing auf. Verblüht auch teilweise schnell. Wandelt sich: Übernahmen und Umfirmierungen sind an der Tagesordnung. Auch neue Initiativen werden immer wieder gestartet: Es geht in weitere Städte hinein, weitere Sharing-Dienste werden ergänzt (neben dem Scooter jetzt auch das Rad) und überhaupt weitere Services. Wer geografisch expandiert, in die Fläche geht, kann das Mobilitätsnetz und das Handling der Infrastruktur auch gleich für weitere Dienste, etwa für Essenslieferdienste nutzen. Uber Eats ist schon länger am Markt, die Scooter-Anbieter Bolt und Helbiz wollen nachziehen. Und die Super-Apps in Asien (gojek, Grab) zeigen, welche Potenziale noch auf der Straße warten: Möbeltransport, Massage- und Schminkservice, Kino- und Theaterkarten. Vor allem auch Payment. Ein ganzes Ökosystem gedeiht in der „Everyday Everything App“, die mal bescheiden als Taxidienst begonnen hat.

Investitionschance Mikromobilität

Und das Karussell dreht sich weiter. Aktuell fließt wieder viel Geld in die Mikromobilität. Die Jahre 2017 und 2018 waren bislang Höhepunkte des Investitionsvolumens. Jetzt werden die Portemonnaies wieder geöffnet. Zuletzt hat Goldmann Sachs investiert. Auch ein deutscher Fleischverarbeiter, die Heristo Gruppe, steigt in den Ring. Bislang hat Heristo mit Ferdi Fuchs-Würstchen von sich reden gemacht. Jetzt wird Möve Bikes (ehemals VEB Möve-Werk), die ihre Räder über eine Bikesharing-Plattform verkaufen, von strenger Metzgerhand geführt.

Und wie sieht nun die Antwort auf die Eingangsfrage aus? Haben sie, Investoren und Anbieter, das Geld auf der Straße gefunden? Beratungshäuser rechnen vor, dass letztlich alles profitabel aufgehen wird. Die asiatischen Super Apps scheinen auch schon im grünen Bereich angekommen zu sein. Jetzt verkünden erste Scooter-Sharer (Veo, Lime), sie hätten die Grenze zur Profitabilität überschritten. Insgesamt bleibt es aber eine Wette auf die offene Sharing-Zukunft.

Mehr zur Studie

Newsletter handel im fokus

Holen Sie sich die neueste Forschungserkenntnisse und aktuelle Themen, Trends und Hintergründe rund um Einzel-, Großhandel und E-Commerce wöchentlich in Ihr Postfach.
cartmagnifiermenu