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9. Mai 2022

Lässt sich ein Onlineshop nachhaltig betreiben und wenn ja, wie? Wir haben Carsten Stech, Geschäftsführer von ECC CLUB Mitglied Splendid Internet GmbH, diese und weitere Fragen zum Thema Nachhaltigkeit im E-Commerce gestellt. Welche Unterschiede es dabei zwischen B2C- und B2B-Handel zu beachten gibt und welche 3 Tipps ihr bei der Umsetzung des Themas Nachhaltigkeit in eurem Unternehmen beherzigen solltet, lest ihr im folgenden Interview.

Porträtfoto Carsten Stech, Geschäftsführer Splendid Internet GmbH

Warum ist der E-Commerce im Vergleich zum stationären Handel weniger nachhaltig und ressourcenintensiver?

Wenn der Onlinehandel im Zusammenhang mit dem Thema Nachhaltigkeit in den Medien erwähnt wird, geht es sehr oft um Verpackungen und Versand. Klar: Je mehr Menschen online bestellen, desto mehr Pakete und Lieferfahrzeuge sind unterwegs und desto mehr Verpackungsmüll fällt an. Da ist der E-Commerce im Vergleich zum stationären Handel eindeutig im Nachteil.

Auf der anderen Seite hat ein Onlineshop gegenüber einem klassischen Ladengeschäft im Hinblick auf Fragen der Nachhaltigkeit aber auch Vorteile: Er braucht zum Beispiel keinen Verkaufsraum, der energieintensiv beheizt und samt Schaufenster rund um die Uhr ausgeleuchtet werden muss. Ein Vergleich der Energiebilanzen ist auf den zweiten Blick also gar nicht so einfach, wie es zunächst scheinen mag. Je nach Branche und Shop können sich zudem ganz unterschiedliche „Fußabdrücke“ ergeben. Nicht jeder Shop ist gleich ressourcenintensiv aufgestellt. Aber was sich sicher sagen lässt: Für jede:n Shopbetreiber:in gibt es Möglichkeiten, das eigene Unternehmen nachhaltiger weiterzuentwickeln.

Warum geht es bei einer nachhaltigen Ausrichtung des eigenen E-Commerce-Geschäfts um weit mehr als nur die angesprochenen Verpackungen und den Versand?

Nachhaltigkeit ist ein komplexer Begriff und hat neben der ökologischen auch eine ökonomische und eine soziale Dimension. Nachhaltig handelt, wer die zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erschöpft und das langfristige ökologische, ökonomische und soziale Gleichgewicht unterstützt. Die Vereinten Nationen haben 17 Nachhaltigkeitsziele definiert. Diese globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung gelten für Regierungen, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft – und damit selbstverständlich auch für den Onlinehandel. Dabei geht es neben Fragen des Umweltschutzes zum Beispiel auch darum, wie ein Unternehmen sich am Markt verhält und zu welchen Bedingungen es seine Mitarbeiter:innen beschäftigt.

Aber auch im Hinblick auf die Ökologie gibt es für den ressourcenschonenden Betrieb von Onlineshops neben Verpackungen und Versand noch eine Vielzahl von weiteren Stellschrauben: Wie nachhaltig sind die im Shop angebotenen Produkte? Wie energieeffizient ist die Infrastruktur im Unternehmen? Wie sieht es mit Hosting, Datenverkehr und Hardware aus? Wie lässt sich die Retourenquote senken? Wird im Check-out eine Möglichkeit für die Kompensation von CO2-Emissionen angeboten?

Viele Unternehmen tun sich schwer damit, ihren Onlineshop nachhaltiger auszurichten. Warum wird dies aber in Zukunft immer wichtiger und erfolgsentscheidender werden?

Die Berichte des Weltklimarats lassen nur einen Schluss zu: Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde – und zwar für uns alle. Wenn ich ein Unternehmen betreibe, bin ich mitverantwortlich für den Schutz der Umwelt, für das Erreichen der Klimaziele, für eine solide Wirtschaft, mehr Gerechtigkeit, Gesundheit und besseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das war natürlich schon immer so, rückt jetzt aber zunehmend ins Bewusstsein. Klimaschutz und Fragen der Nachhaltigkeit sind dabei aber nicht einfach ein Trend oder eine Phase, sondern werden die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten, dauerhaft und zunehmend intensiv prägen. Auch Shopbetreiber:innen müssen sich den damit verbundenen Herausforderungen jetzt stellen.

Was den Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Erfolg betrifft, ist zu betonen: Wer seinen Onlineshop nachhaltig weiterentwickelt, kann dabei durchaus auch Kosten sparen – und außerdem ausgesprochen wirksame Imagepflege betreiben. In Verbindung mit einer klug entwickelten Kommunikationsstrategie lassen sich die eigenen Erfolge in puncto Nachhaltigkeit und die „grünen“ Seiten der angebotenen Produkte nämlich sehr wirksam im Marketing für die eigene Marke einsetzen. Ein wachsender Anteil der Verbraucher:innen achtet beim Einkaufen nämlich immer genauer auf den „Fußabdruck“ von Produkten, will wissen, woher sie stammen, unter welchen Bedingungen sie hergestellt und transportiert worden sind. Immer mehr Kaufentscheidungen werden durch solche Fragen der Nachhaltigkeit beeinflusst. Wer dieser Entwicklung als Händler jetzt nicht Rechnung trägt, nimmt potenziell sinkende Umsätze in Kauf.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit im B2B-Bereich und wie unterscheidet sich diese von jener im B2C-Handel?

Auch im B2B-Bereich spielen Fragen der Nachhaltigkeit inzwischen eine enorm große Rolle. Während Kund:innen im B2C-Handel Kaufentscheidungen grundsätzlich frei treffen und über die nachhaltige Ausrichtung des eigenen Handelns im Einzelfall persönlich entscheiden können, sieht das für Geschäftskunden oft ganz anders aus. Viele Unternehmen haben interne Sustainability Policies definiert oder sind durch Mitgliedschaften in Verbänden an entsprechende Vorgaben gebunden. Daraus ergeben sich auch im Bereich Einkauf Konsequenzen dafür, was überhaupt noch wo unter welchen Bedingungen bestellt werden darf. Und da steht ein B2B-Onlineshop mit solidem Nachhaltigkeitskonzept dann als Anbieter natürlich sehr gut da. Ähnlich sieht es im öffentlichen Dienst aus, wo Nachhaltigkeitsbeauftragte in Ausschreibungs- und Vergabeverfahren eingebunden werden und für die Kirchen gibt es sogar schon gesetzliche Regelungen. Auf den im Kirchenrecht festgeschriebenen Vorgaben zur Nachhaltigkeit basiert beispielsweise das Geschäftsmodell unseres Kunden HKD, dem führenden Anbieter im kirchlich-sozialen Einkauf: ein ausschließlich auf die nachhaltige Beschaffung durch kirchliche Einrichtungen zugeschnittener Onlineshop.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps hast du für Unternehmen, das Thema Nachhaltigkeit im E-Commerce endlich anzugehen?

Das Thema Nachhaltigkeit muss – erstens – als Chance begriffen werden und nicht etwa als Belastung. Wer mit offenem Blick nach Möglichkeiten und Potenzialen sucht, steht am Ende garantiert besser da als jemand, der nur zähneknirschend das Allernötigste tut. Dabei ist es – zweitens – sehr wichtig, das Thema auch wirklich ernst zu nehmen. Reine Lippenbekenntnisse und scheinheiliges Greenwashing sind schnell entlarvt und bringen niemandem etwas. Nur wer sich wirklich und mit vorzeigbaren Ergebnissen darum bemüht, nachhaltiger zu wirtschaften, leistet damit einen Beitrag zur Schonung von Ressourcen und kann das auch selbstbewusst nach außen tragen. Ihre Fortschritte auf dem Weg zur Nachhaltigkeit im E-Commerce sollten Händler dann – drittens – auch durchaus transparent und deutlich kommunizieren. Wer dabei das geeignete Maß hält und den richtigen Ton trifft, kann sein Unternehmen in der Außenwahrnehmung zunehmend vom Teil des Problems „ressourcenintensiver E-Commerce“ zum Teil der Lösung „nachhaltiger Onlineshop“ wandeln, was sich positiv auf den Umsatz auswirkt – und zwar nachhaltig.

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