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3. August 2022
Foto von Angela Bischoff von Arvato

Die Prozessketten im E-Commerce sind komplex. Nicht weniger komplex sind die Lösungsansätze. Wir haben mit einer Expertin für E-Commerce-Plattformen, Omnichannel, Finanz- und Logistikprozesse gesprochen: Dr. Angela Bischoff verantwortet das Projektgeschäft sowie die Produktentwicklung im E-Commerce für die Regionen Deutschland, Österreich, Schweiz sowie die USA bei unserem ECC CLUB Mitglied Arvato Systems und weiß, für welche Onlinehändler der Headless-Commerce-Ansatz sinnvoll ist – und welche eher nicht.

Zuerst einmal die Basics: Was versteckt sich überhaupt hinter dem Buzzword „Headless Commerce“ und warum ist das Thema gerade in aller Munde?

Headless Commerce ist eine Architektur, mit der sich das Frontend, zum Beispiel die Benutzeroberfläche eines Onlineshops, vom Backend trennen lässt. Der Vorteil besteht darin, dass funktionale Erweiterungen oder neue Frontends wie Apps unabhängig vom Backend agil umsetzbar sind. Backend-Funktionalitäten – etwa das Anlegen eines Kundenprofils oder einer Rechnungsadresse – stehen über eine Schnittstelle (API) als Services zur Verfügung. Dank dieses API-basierten Ansatzes können verschiedene Produktteams an sehr unterschiedlichen Anforderungen arbeiten: Während das Team, das für Checkout-Prozesse im Backend zuständig ist, zum Beispiel die Lieferung an Packstationen als Option integriert, kann ein anderes die Produktdarstellung im Frontend des Shops verbessern. Beide Teams können ihre neuen Features unabhängig voneinander entwickeln und ausrollen. Damit sind E-Commerce-Händler nicht nur sehr viel schneller und flexibler, sie sind auch in der Lage, die gestiegenen Erwartungen ihrer Kundinnen und Kunden besser zu erfüllen – und sich dadurch im Zweifel von ihrer Konkurrenz abzuheben.

Wie profitieren Händler vom Headless-Commerce-Ansatz?

Erfahrene Anbieter von Seamless-Commerce-Systemen haben Ihre APIs so designed, dass sie flexibel nutzbar sind, sodass zum Beispiel bei der Einbindung eines neuen Geschenkkarten-Anbieters im Backend ein neues Plug-In erstellt wird, während das Frontend über eine generische API unmittelbar bereitsteht. Dies erspart zeitaufwendige Abstimmungsrunden zwischen den für Frontend und Backend zuständigen Teams in der Projektstartphase. Zudem ist es möglich, neue Funktionen deutlich schneller live zu schalten. Händler können Features, die für ihren individuellen Zweck am besten geeignet sind, flexibel kombinieren. Das erlaubt ihnen, schnell auf neue Marktanforderungen zu reagieren: ein Kundenbindungs- oder Bonusprogramm einführen, für den jeweiligen Nutzer personalisierte oder kundenindividuelle Produkte anzeigen und dergleichen. So sparen sie viel Zeit und mittelfristig auch Kosten. Daneben ist die Nutzererfahrung in allen Kanälen gleich, da sich unterschiedliche Frontends, wie Desktop-Anwendungen, mobil optimierte Websites, Apps und VR-Applikationen, bedarfsgerecht entwickeln und mit passenden Backend-Funktionalitäten verknüpfen lassen.

Wie unterscheidet sich eine Headless-Commerce- von einer klassischen Systemarchitektur?

In einer klassischen E-Commerce-Architektur sind Front- und Backend in ein und demselben System vereint. Das bedeutet, dass Änderungen im Frontend häufig Anpassungen der Backend-Logik nach sich ziehen. Entsprechend komplex ist es, neue Frontends einzuführen. Auch in Bezug auf Updates ist eine klassische Architektur eher hinderlich. Denn es ist nicht möglich, einzelne Features separat bereitzustellen, sondern die gesamte Software ist zu aktualisieren. Anders bei einer Headless-Architektur, in der Front- und Backend sauber getrennt und durch APIs miteinander verknüpft sind.

Als Händler sollte man immer die eigene Kundschaft im Blick behalten: Wie wirkt sich Headless Commerce auf die (Omnichannel) Customer Experience aus?

Die Kundenerfahrung wird insgesamt besser. Händler können je nach Bedarf neue Frontends launchen, die – abgestimmt auf die Eigenheiten des jeweiligen Endgeräts – allesamt die bestmögliche Customer Experience bieten. Schließlich greifen sie auf dieselben Backend-Funktionalitäten zu. Das erlaubt Händlern, eine spezifische Kundengruppe gezielt anzusprechen und eine konsistente Nutzererfahrung an allen Touchpoints sicherzustellen. So stärken sie – ganz nebenbei – ihre Marke.

Sollte jetzt jedes Unternehmen auf Headless Commerce setzen? Oder für welche Branchen, Sortimente, Unternehmensgrößen o. ä. eignet sich der Ansatz besonders gut? Und warum?

Wenn Händler eine E-Commerce-Plattform gefunden haben, die ihnen genau die Funktionen und genau die Anpassungsmöglichkeiten bietet, die sie brauchen, und wenn das für die kommenden fünf Jahre ausreichend ist, dann ist der Headless-Ansatz nicht das Richtige für sie. Doch E-Commerce-Betreiber, die einen hohen Anpassungsbedarf haben und regelmäßig neue Features in ihren Shop integrieren möchten – sei es, um ihn für Kundinnen und Kunden interessant zu halten oder ihnen immer wieder neue Mehrwerte zu bieten –, sollten den Headless-Ansatz wählen. Für diese Händler ist die Anschaffung eines E-Commerce-Systems, das Headless Commerce unterstützt, eine sehr lohnende Investition. Denn sie können ihren Kundinnen und Kunden nicht nur kanalübergreifend ein tolles Shopping-Erlebnis bieten, sondern auch Zeit und Kosten sparen.

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