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17. April 2024

Unbesetzte Positionen und/oder nicht geeignete Stelleninhaber sind häufig die Achillesferse für den Erfolg eines Unternehmens. Zudem müssen Unternehmen sich an rasant verändernde Marktgegebenheiten anpassen. Über die Herausforderungen an Unternehmen und die Anforderungen an Führungskräfte sprechen wir heute mit Daniel Frankenberg, Managing Director bei unserem ECC CLUB Mitglied Deltacon Executive Search.

Sind deiner Ansicht nach alle Branchen in gleichem Maße vom Fachkräftemangel betroffen?

Grundsätzlich trifft der Fachkräftemangel alle Unternehmen in Deutschland, da jedes Jahr 400 000 (!) Beschäftigte mehr aus dem Berufsleben ausscheiden, als nachkommen. In einer Studie des ECC KÖLN geben drei Viertel der befragten Hersteller und Händler an, vom Fachkräftemangel betroffen zu sein.¹ Der Personalmangel verschärft sich somit von Jahr zu Jahr.
Ich sehe aber schon spezielle Unterschiede, vor allem innerhalb der Konsumgüter-Branche.

Welche Unterschiede siehst du branchenspezifisch?

Der Markt für Konsumgüter Food hat sich bezüglich der Absatzkanäle in den letzten zwei, drei Jahrzehnten nahezu nicht verändert. Die Marktteilnehmer sind weiterhin Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Co. Die Veränderungen der Absatzmärkte von Nonfood-Konsumgütern sind massiv.
Der E-Commerce-Anteil im Bereich Food liegt bei ca. 2 % des Gesamtumsatzes², wohingegen der Anteil des Onlinehandel im Bereich Nonfood in kürzester Zeit auf mehr als 30 % des Umsatzes³ (!) angestiegen ist. Die Entwicklung dieser Märkte könnte in den letzten 10-15 Jahren aber kaum unterschiedlicher sein.

Was sind die Folgen dieser Entwicklung im Bereich Nonfood?

Der Markteintritt des Onlinehandels hat weitreichende Veränderungen verursacht oder beschleunigt:

  • Deutliche Verschiebung der Absatzkanäle, z. B. sinkende Bedeutung des (markenbildenden) Fachhandels
  • Beschleunigung der Digitalisierung von Prozessen (getrieben von den digital aufgestellten Onlinehändlern)
  • Neue Herausforderungen im Pricing wegen der Transparenz im Onlinehandel
  • Die Eintrittsbarrieren für asiatische Konkurrenten sind durch Online-Marktplätze deutlich gesunken (=> 40 % (!) der Händler auf amazon.de sind asiatische Händler)⁴
  • neue logistische Herausforderungen (Drop-Shipment, Belieferung von Endverbrauchern u.ä.)
    usw usf.

Unter den Top 10 aller B2C-Onlinehändler befindet sich mit Lidl lediglich ein LEH-Generalist, der allerdings Online fast ausschließlich Nonfood-Aktionsartikel und keine Lebensmittel verkauft.
Somit ist der erste Onlinehändler, der überwiegend Food-Artikel verkauft rewe.de auf Platz 16 der Liste, ohne allerdings neue Anforderungen oder gar Herausforderungen an die Food-Lieferanten zu formulieren⁵.

Wie kann die Transformation für Unternehmen gelingen?

Transformation ist vor dem Hintergrund des sich verändernden (Nonfood)-Marktes zwingend notwendig, aber intern bislang funktionierende Prozesse zu verändern ruft in der Belegschaft aber auch bei Teilen der Führungskräfte der betroffenen Unternehmen in Handel und Industrie Widerstand hervor. Umso wichtiger ist es für die Unternehmen diejenigen Führungskräfte zu finden, die Veränderungsbereitschaft fördern.
Das kann über Aus- und Weiterbildung im eigenen Unternehmen erfolgen, aber die Zeit für eine jahrelange Ausbildung gönnen einem Marktteilnehmer wie amazon und Co. nicht.

Also ist es unerlässlich ab und an Führungskräfte mit den benötigten Erfahrungen und Kenntnissen zu rekrutieren.

Wie gelingt es Experten:innen und Führungskräfte zu gewinnen?

Es hilft nicht Mitarbeiter:innen zu rekrutieren, die ihrerseits viele Monate oder Jahre benötigen, bis sie bei den anstehenden Transformationen einen Beitrag leisten können. Es ist sinnvoller diejenigen aktiv zu suchen, die bereits mit den Anforderungen vertraut sind, wie sie aktuell im Nonfood-Umfeld benötigt werden.
Bewerber:innen über klassische Bewerbungsportale zu finden, ist aber schwierig, denn nur ca. 15 % aller Erwerbstätigen sind aktiv auf Jobsuche⁶.
Das bedeutet über Stellenanzeigen (egal ob traditionell oder über e-Recruiting) werden 85 % (!) der potenziellen Kandidat:innen nicht erreicht. Und insbesondere diejenigen nicht, die als ausgewiesene Expert:innen vom aktuellen Arbeitgeber mit guten Rahmenbedingungen ans Unternehmen gebunden werden.
Grundsätzlich wechselbereit ist ein weiteres Viertel der Erwerbstätigen. Diese müssen aber aktiv angesprochen werden, weil sie keine Stellenanzeigen lesen.

Welche Fähigkeiten braucht es, um sich den Marktgegebenheiten anzupassen?

Führungskräfte die Change-Management erfolgreich befördern sollen, müssen neben ihrer fachlichen Eignung …

  • … proaktiv und flexibel sein
  • … offen kommunizieren um Vertrauen zu schaffen
  • … kritikfähig sein und den Mut haben eine aktiv gelebte Fehlerkultur zu implementieren
  • … sie müssen digital versiert sein
  • … visionär, kreativ und zukunftsorientiert denken
  • … aber insbesondere müssen sie souverän und empathisch Teams für Veränderungen begeistern.

Der wichtigste Schlüssel , um solche Kandidat:innen zu identifizieren, sind kompetenzbasierte Interviews, in denen geprüft wird,  ob sie in der Vergangenheit derartige Prozesse bereits erfolgreich gemanagt haben und über die fachlichen und persönlichen Kompetenzen verfügen.
Bei C- und D-Level-Positionen können zudem u. a. wissenschaftlich fundierte Testverfahren und Diagnostik-Tools helfen, um festzustellen, ob die Bewerber:innen für Führungspositionen geeignet, den Anforderungen gewachsen sind und auch die belastbare Motivation haben, Führungsaufgaben mit Erfolg auszuüben.

DIE Transformation ist also eine Gesamtunternehmerische Herausforderung?

Richtig! Es muss den Nonfood-Unternehmen gelingen den notwendigen Wandel im Unternehmen nicht an einzelne Personen zu delegieren, sondern als gesamtunternehmerische Herausforderung zu verstehen und das eigene Team gezielt mit Führungskräften, idealerweise aus der Branche, zu verstärken.
Aufgrund der notwendigen Anpassungen an die Marktgegebenheiten reichen i. d. R. keine 1 zu 1-Nachfolgebesetzungen auf aktuell bestehenden Positionen aus. Nonfood-Unternehmen müssen häufig grundsätzliche Veränderungen in der Organisation vornehmen, die nicht nur auf eine Position beschränkt sind.
Weiterhin ist zu bedenken, dass überdurchschnittlich häufig Mitarbeiter:innen scheitern, die auf Stabsstellen Veränderungen umsetzen sollen und als „einsame Rufer“ nach Veränderung zuerst nicht gehört werden und dann frustriert das Unternehmen verlassen.
Es kommt also nicht darauf an einzelne Positionen zu besetzen, sondern erfolgreiche Marktteilnehmer haben Führungskräfte, die zukünftige Veränderungen rechtzeitig erkennen und daraufhin strategisch, konzeptionell und mutig eine Road-Map entwickeln, um in der Konsumgüter-Branche erfolgreich agieren zu können.

--

1 www.ifhkoeln.de/produkt/ecc-club-studie-2023-fachkraeftemangel
2 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/894997/umfrage/umsatz-mit-lebensmitteln-im-deutschen-online-handel/#:~:text=Im%20Jahr%202022%20wurde
%20im,Milliarde%20Euro%20gegenüber%20dem%20Vorjahr / 
https://de.statista.com/themen/875/pro-kopf-verbrauch/#topicOverview
3 Der Nonfood-Shopper im herausfordernden Umfeld. GfK Consumer Panels & Services
4 www.sueddeutsche.de/wirtschaft/amazon-billgware-china-fba-1.5477778
5 www.ehi.org/news/top-100-onlineshops-in-deutschland/
6 www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neuer-job-jobsuche-job-wechseln-1.5560877

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