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13. Mai 2020

Während der Recruitingbedarf im Onlinehandel stetig steigt, zeigt sich im stationären Handel aufgrund der Coronakrise ein Rückgang in der Besetzung von Personalkapazitäten. Wir haben mit Kaan Bludau, Managing Director von BludauPartners Executive Consultants GmbH, über die Auswirkungen der aktuellen Krise auf den Bereich Human Resources gesprochen.

Sie haben sich mit Ihrem Unternehmen auf die Besetzung, Bewertung und Entwicklung von Führungskräften spezialisiert, so unter anderem auch in der Handels- und E-Commerce-Branche. Was gilt es in dieser Branche aus HR-Sicht besonders zu berücksichtigen?

Der Handel steht bereits seit Jahren massiv unter Druck. Starke Preiskämpfe, geringe Margen, die strukturelle Veränderung im Einkaufs- und Konsumverhalten sowie rasante technologische Entwicklungen verlangen dem Sektor einen hohen Grad an Innovationen, eine starke Flexibilität der Mitarbeiter (vor allem in der Einsatzbereitschaft und in Bezug auf die Öffnungszeiten) als auch das Verständnis aller Marktakteure für die Korrelation zwischen dem stationären und dem Onlinehandel ab. Zu beobachten ist jedoch aktuell, dass sich in Zeiten des COVID-19-Virus mittlerweile eine immer größer werdende Ambivalenz zwischen dem stationären Handel und digitalen Geschäftsmodellen entwickelt hat, der die Mitarbeiter im stationären Handel über Kurzarbeit und schlechte Verkaufsbedingungen in Atem hält und im Onlinehandel zu einer Verknappung der Personalressourcen und damit zu einem höheren Recruitingbedarf als je zuvor führt. Aus diesem Grund sind eine Vielzahl von Mandaten mit Bezug zum stationären Handel wegen des Lockdowns erst einmal gestoppt worden und die Nachfrage für Besetzungen im Onlinehandel massiv angestiegen, die wir trotz einer allgemeinen Verunsicherung am Kandidatenmarkt in vollem Umfang bearbeiten.

Aktuell befinden wir uns durch die Corona-Pandemie in einer Ausnahmesituation. Was macht das mit Ihrer Arbeit? Welche Herausforderungen stellen sich Ihnen in der aktuellen Corona-Situation?

Die Mitarbeiter im stationären Handel sind besonders stark betroffen und dadurch auch sehr verunsichert. Vor allem, weil keiner so wirklich absehen kann, wie sich die Situation in den nächsten Monaten weiter entwickeln wird. Hier greift die Unterstützung der Regierung, was aktuell glücklicherweise (noch) nicht zu überproportionalen Entlassungszahlen führt. Jedoch ist durch die Unsicherheit die Wechselbereitschaft schwächer ausgeprägt, vor allem je niedriger die Kandidaten in der Hierarchie einer Organisation zugeordnet sind. Führungskräfte aus dem mittleren und oberen Management sind deutlich selbstsicherer und wechselbereiter. Im Onlinehandel ist kaum etwas von vorsichtigem Vorgehen für einen möglichen Wechsel zu spüren, da dieses Segment weiterhin sehr stark floriert.

Die aktuelle Extremsituation wirkt sich nicht nur auf die Arbeit als solche aus, sondern auch auf die Psyche und Persönlichkeit der Menschen. Können Sie beschreiben, welche Ängste Ihnen im Umgang mit Ihren Auftraggebern und den Kandidaten begegnen?

Unternehmen aus dem Handel, die ein hohes Volumen an stationären Aktivitäten haben, sind erst einmal vorsichtig mit der Beauftragung von neuen oder der Fortführung von bereits beauftragten Mandaten, da keiner die weitere Entwicklung und das Ausmaß der Schäden für die Wirtschaft absehen kann. Die Lage im Onlinehandel sowie in den Branchen Versicherungen, Pharmaindustrie, Medizintechnik, Logistik/Transport, Bauwirtschaft und öffentliche Auftraggeber ist aktuell unverändert gut.

Der bis vor Kurzem noch vorherrschende Kandidatenmarkt entwickelt sich aktuell wieder sukzessive zu einem günstigeren Markt für Arbeitgeber, was aufgrund von Corona aus der geringeren Nachfrage nach Mitarbeitern und einer höheren Kündigungsrate seitens der Unternehmen in den letzten Wochen zurückzuführen ist. Vielen Unternehmen geht es tatsächlich aufgrund der aktuellen Situation und den Umsatzrückgängen sehr schlecht. Andere nutzen aber auch die Situation, um Ihre Organisation zu bereinigen und sich von Mitarbeitern zu trennen, die in den letzten Monaten und Jahren aufgrund schlechter Leistungen oder einem geringen kulturellen „Fit“ aufgefallen sind.

Gerade im stationären Handel ist darüber hinaus zu beobachten, dass die Mitarbeiter uns gegenüber vielfältige Ängste in Bezug auf die aktuelle Situation äußern. Beispielsweise haben sie grundsätzlich Angst um ihren Arbeitsplatz, aufgrund der zum Teil starken Umsatzrückläufe. Wenn im Anschluss an die Kurzarbeit doch eine Kündigung erfolgt, ist das ein weiterer psychischer Belastungsfaktor, den uns Kandidaten immer häufiger mitteilen. Hinzukommend haben sie auch Angst vor einer grundsätzlichen Insolvenz ihres Unternehmens, da der Handel besonders schwer von der Krise betroffen ist. Sie haben aber auch Bedenken, ihre privaten Kosten und Verpflichtungen zukünftig nicht mehr decken zu können. Verstärkend kommen neben den wirtschaftlichen Ängsten auch noch gesundheitliche Sorgen hinzu: Mitarbeiter, die einem hohen Kundenverkehr ausgeliefert sind, den ganzen Tag auf der Fläche stehen oder im Büro sein müssen, haben gegebenenfalls auch Angst mit dem Coronavirus infiziert zu werden.

Social Distancing, Homeoffice, Kurzarbeit – Corona bringt viele neue Herausforderungen im Alltag mit sich. Werden wir hier auch mit psychologischen Langzeitfolgen von diesem „New Normal“ konfrontiert werden?

Wie bereits geschildert wird sich der bisherige Kandidatenmarkt zu einem Arbeitgebermarkt wenden. Dies hat damit zu tun, dass in der nächsten Zeit erstmal nicht damit zu rechnen ist, dass der Markt sich wieder so entwickeln wird, wie vor dem Virus. Es besteht nach wie vor das Risiko erneut ansteigender Infektionszahlen, die einen weiteren Lockdown zur Folge haben werden.

Zu Hause bleiben zu müssen kann Stress bedeuten. Angst, selbst krank zu sein oder zu erkranken, Langeweile und Frustration könnten schwerwiegende Folgen haben. Studien zeigen, dass Menschen in Quarantäne Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung, Depressionen, Erschöpfung, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwächen entwickelten. Wenn Menschen plötzlich den ganzen Tag zusammen sind, anstatt durch Arbeit, Kita und Schule tagsüber räumlich getrennt zu sein, können Konflikte entstehen, die mitunter auch eskalieren können.

Aber es gibt auch positive Effekte, die die aktuelle Situation ausgelöst hat. Sowohl Home-Office und das Bewusstsein für Digitalisierung haben sich mittlerweile in der Wirtschaft durchgesetzt, als auch der soziale Wert eines gemeinsamen Arbeitens im Büro und der tägliche, persönliche Austausch mit Kollegen.

Kurzarbeit wird aber letztendlich ein temporäres Instrument bleiben, da im Rahmen der Kurzarbeit nur bedingt Neueinstellungen und damit Wachstumsszenarien möglich sind und dies der DNA erfolgsorientierter Unternehmen und der Mentalität deutscher Unternehmerwerte widerspricht. Zukünftig werden Mitarbeiter von sich aus wesentlich achtsamer im Umgang mit Kunden und Kollegen und werden den sozialen Kontakt sowie ihren Arbeitsplatz mehr schätzen. Der Mensch braucht i.d.R. ein regelmäßiges System, das eine Normalisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse mit sich bringt.

Wir freuen uns über Ihre Mitgliedschaft in unserem ECC-Club. Was hat Sie zu Ihrer Mitgliedschaft bewegt und was erhoffen Sie sich von unserer Community?

BludauPartners ist Mitglied beim ECC-Club, da unsere Berater seit Jahren über diese Plattform sehr praxisnahen Know-How-Transfer und konstruktiven Austausch mit Top-Executives aus dem (Online-)Handel generieren. Hierdurch haben wir die Möglichkeit, dieses Wissen unseren Klienten im Rahmen unserer Zusammenarbeit zur Verfügung zu stellen, aber auch Erkenntnisse aus der Praxis rund um relevante HR-Themen in die Community des ECC-Clubs zu übertragen. Wir bedanken uns, Teil dessen sein zu können.

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