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Projekt Handelszukunft – Interview mit Prof. Dr. Werner Reinartz

Autorin: Sabine Risse | Datum:

Digitalisierung und demographischer Wandel fordern den Handel der Zukunft heraus. Welche Implikationen dies für die weitere Entwicklung mit sich bringt und welche Forschungsfragen das IFH Köln aktuell im Fokus hat, beantwortet Prof. Dr. Werner Reinartz, Direktor der IFH-Fördergesellschaft im Interview.

Wie wird sich das Verbraucherverhalten verändern?

Prof. Dr. Werner Reinartz: Die Veränderung des Verbraucherverhaltens ist bereits in vollem Gange. Schon heute bewegen sich Konsumenten alltäglich und ganz natürlich zwischen Online- und Offline-Kanälen. Auch ist im Durchschnitt ein klarer Trend von der reinen Preisfokussierung hin zu einer noch stärkeren Preis-Leistungs-Orientierung zu erkennen. Entsprechend wird es in einem gesättigten Markt weiterhin wichtig sein, Geschäftsmodelle kontinuierlich an den sich ändernden Erwartungen auszurichten.

Welche externen Faktoren beeinflussen den Handel auf seinem Weg in die Zukunft?

Prof. Dr. Werner Reinartz: Es gibt zwei Megatrends, die die Handelsentwicklung beeinflussen: Der demographische Wandel und die Digitalisierung. Es ist wohl keine Untertreibung zu sagen, dass die nächsten fünf Jahre die Branche mehr verändern werden als die letzten dreißig Jahre. Grundsätzlich gilt, dass beide Megatrends das Kaufverhalten nachhaltig beeinflussen und damit auch die Entwicklung der gesamten Handelsbranche.

Wo muss der Handel ansetzen, um für die Zukunft gerüstet zu sein?

Prof. Dr. Werner Reinartz: Der Handel muss schon jetzt Konzepte für die Cross-Channel-Zukunft entwickeln. Kundenorientierung ist dabei ein entscheidendes Stichwort. Da der Kunde gut informiert ist, werden reine Basisservices bei Information und Beratung langfristig nicht mehr ausreichen. Unsere Gespräche mit Händlern zeigen: Das, was stationären Handel erfolgreich gemacht hat, wird auch im Multi-Channel-Zeitalter  differenzierend sein. Die Herausforderung ist dabei, emotionale Mehrwerte über Inszenierung und Markenaufbau so zu bedienen, dass sie kanalübergreifend und bestenfalls kanalverzahnend erlebbar werden.

Welche Konsequenzen leiten sich aus dieser Zukunftserwartung ab? 

Prof. Dr. Werner Reinartz: Aufbauend auf unseren Zukunftsprognosen werden wir am IFH Köln in den nächsten zwei Jahren untersuchen, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Implikationen zu erwarten sind. Wir glauben, dass fünf Hauptbereiche besonders berücksichtigt werden müssen: Die Wertschöpfung des Handels, die Versorgungssituation in der Bevölkerung, Umfang und Art der Beschäftigung im Handel sowie Implikationen für die Umwelt und die Innenstädte in Deutschland. Schon jetzt zeigt sich, dass wir nicht nur allgemeine Ableitungen ziehen können, sondern dass sich auf  regionaler Ebene Rahmenbedingungen und Erwartungen stark unterscheiden. Wir freuen uns auf die vielfältigen Erkenntnisse und werden Impulse für die Zukunft und die Arbeit der handels- und innenstadtbezogenen Stakeholder liefern können.