Vor zwei Tagen fanden wieder zahlreiche Handelsexpert:innen den Weg nach Köln, um an unserer Veranstaltung FASZINATION HANDEL teilzunehmen. Dabei trotzten sie den widrigen Wetterbedingungen mit Schirm und Regenjacken. Und auch dieses Jahr konnte der Teilnehmerrekord des letzten Jahres mit über 200 Besucher:innen überboten werden. Das Thema der diesjährigen FASZINATION HANDEL dürfte dabei - neben dem Business- und Networking-Charakter der Veranstaltung - eine Rolle gespielt haben: Smart Retail & KI im Handel.
Das Thema KI ist allgegenwärtig. Kaum jemand, der nicht privat schon mal davon gehört oder KI auch schon in Form von Chat-Bots wie Chat-GPT genutzt hat. Und auch im Unternehmensalltag nimmt KI einen immer wichtigeren Platz ein. Zeit also, einen wissenschaftlich fundierten als auch praxiserprobten Blick auf das Thema KI im Handel zu werfen.
Basistechnologie mit transformativem Charakter
Nach einer kurzen Begrüßung der Teilnehmer:innen durch unseren Geschäftsführer Dr. Kai Hudetz, übergab dieser dann auch schon das Wort an Prof. Dr. Werner Reinartz von der Universität zu Köln, Direktor der IFH FÖRDERER und Co-Autor der Schwerpunktstudie. Als Einführung in die IFH FÖRDERER-Schwerpunktstudie ging Prof. Dr. Reinartz auf die Implikationen durch die neuen KI Entwicklungen ein. Dabei machte er deutlich, dass KI eine Basistechnologie mit transformativem Charakter sei, vergleichbar mit der Einführung der Elektrizität oder dem Internet, und zitierte den Microsoft-Gründer Bill Gates, der KI eine radikale Technologie nennt. Zudem macht die Tatsache, dass ChatGPT innerhalb von 2 Monaten 100 Mio. aktive Nutzer:innen hatte, den Chatbot zum schnellsten Technologie-Adoptionstrend der Geschichte. Die Akzeptanz von KI in der Bevölkerung wächst rasant. Die aktuelle IFH FÖRDERER Schwerpunktstudie zeigt: Über 40 Prozent der Konsument:innen nutzen bereits ChatGPT – bei den 16–29-Jährigen sogar drei von vier. Doch: Für nur jeden sechsten Einzelhändler – unabhängig von der Betriebsgröße – ist KI ein strategischer Kernbaustein des Geschäftsmodells. Die meisten Betriebe setzen KI wenig strategisch ein. Bleibt damit vielleicht ein großes Potenzial von KI ungenutzt?
KI als Befreiungsschlag für den Einzelhandel?
Nachdem die wirtschaftliche Lage aufgrund globaler Krisen und Zollkonflikte sich auch weiterhin schwierig zeigt und die Konsumstimmung stark beeinträchtigt, stellt sich die Frage, ob und wie KI den Einzelhandel beflügeln und in dem wirtschaftlich angespannten Umfeld helfen kann. Antworten darauf lieferte Jun.-Prof. Dr. Scholdra, der die Kernergebnisse der neuen Schwerpunktstudie der IFH FÖRDERER „Transformation trifft Innovation: Smart Retail und AI im Handel“ vorstellte, für die 1.000 Konsument:innen und 100 Einzelhändler befragt wurden. Eines der großen Ergebnisse der Studie: Das Potenzial von KI ist groß – doch die Konsumentenerwartungen und Einsatz im Handel gehen teils weit auseinander. Die Ergebnisse der Schwerpunkte zeigen, dass Einzelhändler aktuell noch zögerlich in KI investieren. Konsument:innen hingegen sind jedoch offen für KI-Anwendungen. Sie vermuten und erwarten diese häufig sogar im Einzelhandel. Ein Key Takeaway, das sich aus Jun.-Prof. Dr. Scholdras Vortrag für den Handel abgeleitet hat: Investitionen in KI als Wettbewerbsvorteil sehen und aus Pilotprojekten lernen. Mehr zur Studie und den Ergebnissen auch in unserem Blogbeitrag zur Schwerpunktstudie.
Best Practices und Use Cases von der ANWR GROUP, REWE Digital und Otto
Nach der Vorstellung der Ergebnisse der Schwerpunktstudie zum Thema KI im Handel wurde es praktisch: Speaker:innen der Unternehmen ANWR GROUP, REWE Digital und OTTO Group teilten mit den Teilnehmer:innen der Veranstaltung ihre ganz eigenen Erfahrungen mit KI und stellten Anwendungsbereiche vor.
KI als Tool in der Performance-Beratung
Martina Novotny von der ANWR GROUP beschrieb in ihrem Vortrag, wie sie mit ihrem Team die Händler:innen in ihrem Verbund mit KI bei der Effizienzsteigerung ihres Business hilft. Das dafür kreierte Tool: eine Performance-Beratung. POS-Daten spielen hierbei eine ganz große Rolle. Diese bekommen sie von ihren Händler:innen bereitgestellt. Hier beginnt dann auch die Arbeit der KI. Denn Daten sind gut, aber unbewertet und nicht konsolidiert, bringen sie nichts. Hier hilft KI. Denn das kann sie einfach gut und vor allem am schnellsten. Wenn die Daten dann konsolidiert sind, kann datenbasiert optimiert werden. Und das, meinte Martina Novotny, macht sich bei den meisten in einer relevanten Margensteigerung bemerkbar.
KI als neues Betriebssystem
Jörg Hirt von REWE Digital macht schon sein Leben lang Innovation. Für ihn ist KI kein Tool, sondern eine Abrissbirne. Sie schwingt im Raum, aber keiner schaut hin. Die meisten machen weiter wie immer. Doch Warten ist keine Option für Hirt und er mahnt: Je länger man wartet, desto härter trifft einen die Abrissbirne. Doch die Abrissbirne möchte Hirt nicht als Zerstörung sehen, für ihn schafft die Abrissbirne Raum für Neues. Ein Key Takeaway seines Vortrags: KI ist nicht die Zukunft, sondern längst Realität. Dem sollte man sich stellen. Für Hirt verändert KI, wie wir leben, arbeiten und entscheiden. Deshalb sollte jeder Prozess in einem Unternehmen für ihn auf KI aufgesetzt sein. Und von einer weiteren Sache ist Hirt ebenfalls überzeugt: Der Assistent ist tot, es lebe der Agent.
KI – erst Use, dann Case
Die erfolgreiche Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen erfordert nicht nur technologische Fortschritte, sondern auch einen kulturellen Wandel, davon sind Dr. Frederike Fritzsche und Saskia Dupré von Otto überzeugt. Klar wurde: Für die beiden Speaker:innen geht es bei KI um mehr als nur Effizienzsteigerung, Kostensenkung oder Umsatzsteigerung. Es geht darum Menschen – Mitarbeitende – zu begeistern und Potenziale zu entfesseln. Denn nur so kann eine drohende KI-Kluft zwischen Mitarbeitenden innerhalb eines Unternehmens verhindert werden. In ihrem Vortrag zeigten die beiden auf, wie sie in ihrem Unternehmen Mitarbeitende durch Schulungen, Praxisbeispiele und eine offene Unternehmenskultur befähigen, KI sinnvoll im Arbeitsalltag zu nutzen. Unterschiedliche Ansätze wie Multiplikatoren, Enablement und Gamification wurden dafür ausgewählt, um den Weg über individuelle Neugier zur kollektiven Wirkung und damit auch zu echter Innovation zu bahnen.
KI ja, aber nicht um der KI willen
In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Georg Mersmann von Soennecken und Matthias Assmann von ElectronicPartner, beide ausgebildete Elektrotechniker, mit Kai Hudetz über ihre Erfahrungen mit der Implementierung von KI in ihren Unternehmen. Auch hier wurde deutlich, dass KI ein unverzichtbares Tool für den Handel sein und Potenziale heben kann, das jedoch mit Bedacht und gezielt eingesetzt werden sollte, und nicht einfach nur nach dem Schema KI um der KI willen.
Fazit & Save the Date
Die FASZINATION HANDEL hat eindrucksvoll gezeigt, wie Künstliche Intelligenz den Einzelhandel transformieren kann. KI gilt als Basistechnologie mit disruptivem Potenzial – vergleichbar mit Elektrizität oder dem Internet. Studien belegen: Konsument:innen erwarten KI-Anwendungen, während Händler:innen noch zögern. Best Practices von REWE Digital, ANWR GROUP und Otto zeigen, wie KI bereits heute Prozesse optimiert, Margen steigert und Mitarbeitende begeistert. Entscheidend ist: KI muss strategisch, kulturell und praxisnah integriert werden – nicht KI um der KI willen.
Auf die Erfahrungsberichte im kommenden Jahr freuen wir uns schon jetzt – und sind gespannt, welche Impulse und Ideen Sie aus der diesjährigen FASZINATION HANDEL in Ihr Business mitgenommen haben.
Am besten schon jetzt im Kalender notieren: Die nächste FASZINATION HANDEL findet am 8. September 2026.












































