
Ob Preisvergleich, digitale Einkaufsplanung oder gezielte Angebotskommunikation: Digitale Plattformen sind längst unverzichtbare Begleiter im Alltag von Millionen Konsument:innen. Welche Rolle datenbasierte Services, smarte Features, wie die digitale Einkaufsliste und enge Kooperationen zwischen Handel und Plattformen spielen, erläutert Florian Reinartz, Geschäftsführer von unserem ECC CLUB Mitglied Bonial - Anbieter der Shopper-Plattformen kaufDA und MeinProspekt mit rund 15 Millionen Nutzer:innen - im Interview.
Wie würdest du den aktuellen Status der Angebotskommunikation in Deutschland beschreiben?
Die Angebotskommunikation in Deutschland befindet sich mitten in einem grundlegenden Wandel. Während gedruckte Prospekte über viele Jahre hinweg ein fester Bestandteil im Marketingmix des Handels waren, hat sich die Kommunikation zunehmend in digitale Kanäle verlagert. Das hängt unter anderem mit veränderten Mediennutzungsgewohnheiten zusammen: Verbraucher:innen informieren sich heute verstärkt digital und erwarten aktuelle, personalisierte Informationen, idealerweise in Echtzeit. Zudem führen ökologische und wirtschaftliche Aspekte dazu, dass Print zunehmend kritisch hinterfragt wird – sowohl auf Konsumenten- als auch auf Unternehmensseite.
Zwei zentrale Trends prägen derzeit die digitale Angebotskommunikation: Zum einen setzen Händler verstärkt auf Shopper-Plattformen, um ihre Angebotsbotschaften effizient und nutzerzentriert zu platzieren. Zum anderen werden die First-Party-Daten dieser Plattformen gezielt genutzt, um zusätzliche, externe digitale Reichweiten zu erschließen. Ziel ist es, automatisiert, lokal ausgesteuert und damit maximal effizient zu kommunizieren. Beides sind Schlüsselstrategien, mit denen der Handel versucht, Print mittelfristig zu substituieren.
Welche Anforderungen und Wünsche haben Konsument:innen heutzutage an die Angebotskommunikation und das Einkaufserlebnis?
Verbraucher:innen möchten Angebote schnell, einfach und jederzeit finden – am besten gebündelt an einem Ort, idealerweise in einer einzigen App. Sie wünschen sich Transparenz, Übersichtlichkeit und Relevanz.
Gefragt sind Lösungen, die verschiedene Angebote zentral bündeln und so eine effiziente Orientierung im Angebotsdschungel ermöglichen.
Dabei spielt auch die regionale Relevanz eine große Rolle: Nutzer:innen erwarten, dass Angebote zur tatsächlichen Verfügbarkeit im lokalen Markt passen und aktuell sind. Das Einkaufserlebnis beginnt heute häufig schon digital – lange bevor ein Geschäft überhaupt betreten wird – und genau das prägt die Ansprüche an moderne Angebotskommunikation.
Welche Rolle spielen digitale Plattformen heute für die Angebotskommunikation und die Orientierung von Verbraucher:innen im Einkaufsprozess?
Digitale Plattformen sind heute ein zentraler Touchpoint für Konsument:innen, um sich vorab zu informieren, Preise zu vergleichen und gezielt zu planen. Sie bieten den Vorteil, dass sie eine Vielzahl an Angeboten bündeln und dabei personalisierte Inhalte liefern können. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Inspiration und zur Kaufvorbereitung. Darüber hinaus ermöglichen sie es Händlern, potenzielle Kund:innen gezielt und ohne Streuverlust anzusprechen – sowohl regional als auch nach individuellen Interessen. Die Plattformlogik erlaubt außerdem eine präzise Erfolgsmessung, was für die Optimierung von Marketingstrategien unerlässlich geworden ist. Zunehmend kommt dabei auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz – etwa in Form automatisierter Produktempfehlungen, dynamischer Angebotssteuerung oder intelligenter Nutzeranalysen, die Werbeinhalte in Echtzeit optimieren können.
Welche Potenziale siehst du in der Zusammenarbeit zwischen Handel und digitalen Plattformen – insbesondere im Hinblick auf Effizienz, Reichweite und Zielgruppenansprache?
Die Kooperation zwischen Handel und digitalen Plattformen bietet zahlreiche Chancen. Zum einen können bestehende Reichweiten genutzt werden, um auch ohne eigene App neue Kund:innen zu gewinnen. Zum anderen lassen sich gezielte Werbemaßnahmen mit sehr hoher Relevanz ausspielen – etwa durch standortbasierte Push-Nachrichten, personalisierte Inhalte oder dynamische Preisaktualisierungen. Streuverluste werden dabei nahezu vollständig eliminiert, was zu einer deutlich effizienteren Nutzung des Marketingbudgets führt. Zudem eröffnen datengetriebene Ansätze wertvolle Einblicke in das Verhalten der Konsument:innen, was wiederum eine präzisere Sortiments- und Angebotsplanung ermöglicht.
Auch Funktionen wie die digitale Einkaufsliste, die Angebote mit konkreter Einkaufsplanung verknüpft, spielen dabei eine wachsende Rolle: Sie begleiten Konsument:innen entlang der gesamten Customer Journey und eröffnen dem Handel zusätzliche Möglichkeiten, Produkte im passenden Nutzungskontext sichtbar zu machen.
Welche Funktion hat die digitale Einkaufsliste im Gesamtkontext der Plattformentwicklung – und wie wirkt sich das auf das Nutzerverhalten aus?
Die digitale Einkaufsliste entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner Einkaufsplattformen. Sie ermöglicht nicht nur die einfache Organisation des Einkaufs, sondern verknüpft Informationen wie aktuelle Angebote, regionale Verfügbarkeiten und Preise auf intelligente Weise. Dadurch wird sie zu einem zentralen Planungstool, das Verbraucher:innen aktiv durch den gesamten Einkaufsprozess begleitet – von der Inspiration über die Vorbereitung bis hin zum Einkauf im Geschäft.
Besonders im Zusammenspiel mit digitaler Angebotskommunikation entfaltet die Einkaufsliste ihr Potenzial: Produkte aus Prospekten oder Werbemitteln lassen sich direkt übernehmen, sortieren und bearbeiten. Nutzer:innen profitieren dabei von einer nahtlosen Verbindung zwischen Angebotsdurchsicht und konkreter Einkaufsplanung. Funktionen wie das Teilen der Liste innerhalb von Haushalten oder das gemeinsame Bearbeiten im Team tragen zusätzlich zur Alltagstauglichkeit bei.
Für den Handel entsteht gleichzeitig die Möglichkeit, relevante Produkte gezielt sichtbar zu machen – eingebettet in einen für Nutzer:innen passenden Kontext. Die auf diesem Weg generierten Daten können dazu beitragen, digitale Services weiter zu optimieren und besser an das reale Einkaufsverhalten anzupassen.
Zunehmend setzen Plattformen zudem auf vollständig interaktive Angebotsformate, bei denen sämtliche Inhalte dynamisch nutzbar sind. In Kombination mit digitalen Einkaufslisten entsteht so ein integriertes Nutzererlebnis, das Effizienz, Relevanz und Individualisierung miteinander verbindet – ein wichtiger Schritt in Richtung zukunftsfähiger, digitaler Einkaufsplanung.






