
Im E-Commerce verschiebt sich aktuell nicht nur die Technologie, sondern auch die Art, wie digitale Sichtbarkeit entsteht. Neben klassischen SEO-Ansätzen rückt dabei zunehmend „GEO“ – die Optimierung für generative KI-Systeme – in den Fokus. Welche Auswirkungen dieser Wandel auf Marketing, Commerce-Strategien und Content-Architekturen hat, welche Chancen sich daraus für Unternehmen ergeben und wie sich Organisationen darauf vorbereiten können, erklärt Alexander Thiel, Marketing Manager bei unserem ECC CLUB Mitglied sqli, im Interview.
Ihr beschäftigt euch viel mit digitaler Transformation: Wie ordnest du das aufkommende Thema GEO (Generative Engine Optimization) ein und was ist der wichtigste Unterschied zu SEO?
Wenn ich GEO und SEO nebeneinanderstelle, sehe ich zwei Zimmer im selben Haus, die über eine Durchreiche verbunden sind. Bei SEO wollen wir, dass jemand in den Suchergebnissen auf unseren Eintrag klickt. Das Ziel ist Traffic. Bei GEO arbeiten wir darauf hin, dass KI-Modelle ein Unternehmen in ihren Antworten zitieren oder empfehlen. Das Markenerlebnis steht hier im Vordergrund. Die Werkzeuge überschneiden sich in Teilen, aber die inhaltliche Ausrichtung verschiebt sich: weg von reiner Keyword-Relevanz, hin zu Inhalten, die eine KI für die Nutzer:innen als vertrauenswürdige, zitierfähige Quelle bewertet.
Worauf müssen Unternehmen achten, wenn sie in den Ergebnissen der KI berücksichtigt werden wollen?
Content muss inhaltlich und technisch so aufbereitet sein, dass eine KI ihn als zitierfähige Quelle einordnen kann. FAQ-Bereiche, Entscheidungshilfen und Vergleichsformate funktionieren gut, weil sie dem Format entsprechen, in dem KI-Systeme Informationen zusammenstellen. Dazu kommt Konsistenz: Eine einheitliche Unternehmensdarstellung auf allen Kanälen klingt banal, ist aber ein erstaunlich wirksamer Hebel. Vertrauenssignale wie Autorenprofile, eine transparente About-Seite und Erwähnungen in Fachmedien machen eine Quelle für die KI „attraktiver". Und strukturierte Daten im Schema-Markup-Format helfen der KI, den Kontext einer Seite zu verstehen.
Welche Rolle spielt die eigene Markenidentität dabei, in KI-Antworten sichtbar zu werden?
Eine ganz zentrale. KI-Modelle können eine Marke nur so wiedergeben, wie sie im Netz wahrgenommen wird. Wer keine klare Positionierung hat, keine konsistente Sprache auf allen Kanälen und kein erkennbares Profil, der wird von der KI bestenfalls beiläufig wahrgenommen. GEO ist in diesem Sinne auch ein Spiegel: Es zeigt schonungslos, ob eine Marke im digitalen Raum wirklich ein Profil hat oder nur eine Sammlung von Webseiten ist.
Wie können Unternehmen messen, ob ihre GEO-Strategie erfolgreich ist?
Bei der KI-Sichtbarkeit ist das Mess-Instrumentarium noch jung, aber es gibt eine wachsende Zahl spezialisierter Plattformen für jedes Budget. Auch ohne Tools lassen sich aber erste Erkenntnisse gewinnen:
- Formuliere 10 bis 15 typische Kundenfragen und gib sie in eine KI-Suchmaschine ein. Dokumentiere, ob deine Marke erwähnt wird und in welchem Kontext.
- Mach das Gleiche mit Blick auf deine Wettbewerber. Frage die KI direkt: „Wofür ist [Unternehmen] bekannt?"
- Frage die KI direkt nach deiner Marke: „Was weißt du über [Unternehmen]?" oder „Wofür ist [Unternehmen] bekannt?" zeigt dir, welches Bild die KI von dir hat.
- Beobachte in Analytics den „Unknown"-Traffic und Referral-Quellen. Ein Teil davon könnte aus KI-Recherchen stammen.
- Und wiederhole das monatlich, denn erst die Veränderung über Zeit zeigt, ob deine Maßnahmen greifen.
Welche Herausforderungen siehst du für Unternehmen, die weiterhin nur auf klassische Suchmaschinenoptimierung setzen?
SEO wird durch GEO auf lange Sicht nicht verschwinden, auch wenn reißerische Headlines das behaupten. Der Marketing-Kontext bekommt lediglich ein weiteres Spektrum. Wer schon jetzt auf echte Kundenrelevanz setzt, Content nach Anwendungsfällen strukturiert und die eigene Marke erlebbar werden lässt, der macht bereits vieles richtig. Etwas mehr Arbeit kommt auf diejenigen zu, die Content vor allem als Ranking-Instrument sehen, anstatt echte Fragen der Zielgruppe zu beantworten. Wer seine Fachexpertise, seine Erfahrungen und die Kundenperspektive in die Inhalte einfließen lässt, wird sowohl in der klassischen Suche als auch in den KI-Antworten besser abschneiden.
Welchen ersten Schritt rätst du Unternehmen, die jetzt mit GEO starten wollen?
Einfach testen. Setz dich eine halbe Stunde hin, öffne eine KI-Suchmaschine und stelle die zehn Fragen, die deine Kund:innen am häufigsten stellen. Wirst du erwähnt? Werden deine Wettbewerber erwähnt? Diese halbe Stunde liefert mehr Klarheit als jede theoretische Diskussion über GEO-Relevanz. Und aus den Erkenntnissen lässt sich erster Handlungsbedarf ableiten. Alles Weitere baut darauf auf.






