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16. September 2025
Portraitfoto von Marc Ring von ECOPLAN

KI-gestützte Chatbots übernehmen im B2B-Vertrieb zunehmend zentrale Aufgaben entlang der Customer Journey. Welche das sein können und welche Rolle dabei Echtzeitdaten, intelligente Dialogführung und die nahtlose Integration in bestehende Systemlandschaften spielen, erklärt Marc Ring, Geschäftsführer und Head of Service von unserem ECC CLUB Mitglied ECOPLAN, im Interview.

Wo liegen aktuell die größten Pain Points im B2B-Vertrieb bei wachsender Anspruchshaltung der Kund:innen?

Die Erwartungshaltung hat sich durch B2C-Erlebnisse radikal verändert: Einkäufer:innen verlangen dieselbe Self-Service-Geschwindigkeit und Personalisierung – jedoch mit komplexeren Rahmenbedingungen wie kundenindividuellen Nettopreisen, Lieferzeiten und länderspezifischer Logistik. Allgemeine Produktberatung ohne das Wissen über den kundenindividuellen Hintergrund reicht hier nicht aus. Parallel verschärft der Fachkräftemangel den Druck, weil qualifizierte Vertriebsmitarbeiter:innen fehlen, um alle Anfragen zeitnah zu bedienen.

Internationale Expansionspläne erfordern Mehrsprachigkeit, und die Kund:innen bestehen auf 24/7 Erreichbarkeit. Dieses Spannungsfeld treibt die Kosten, ohne automatisch mehr Marge zu generieren. Unternehmen brauchen daher skalierbare Tools, die Routineaufgaben übernehmen und die menschliche Expertise auf wertschöpfende Tätigkeiten fokussieren.

Wie unterstützt ein KI-gestützter Chatbot konkret bei diesen Herausforderungen?

Ein moderner Conversational-AI-Layer fungiert als „Digital Twin“ des Vertriebs: Er greift in Echtzeit auf ERP, PIM und CRM zu und liefert dieselben Informationen, die ein Sales-Mitarbeiter nutzt – vom individuellen Nettopreis über Chargenverfügbarkeiten bis hin zur Retourenhistorie. Dank der Large-Language-Models versteht der Bot freie Fragen in mehreren Sprachen und führt Nutzer:innen dialogisch durch komplexe Szenarien, etwa Alternativartikel bei Lieferengpässen oder Expressoptionen für kritische Bestellungen. Mitarbeitende werden so von Routineauskünften entlastet und können sich auf beratungs- und abschlussstarke Gespräche konzentrieren.  
Gleichzeitig sammelt der Bot wertvolle Intent-Daten, die Marketing und Vertrieb zur Angebotsoptimierung nutzen. Ergebnis: höhere Servicequalität bei Antwortzeiten im Sekundenbereich. Ebenfalls für  Kund:innen sehr nützlich ist das Angebot von mehreren, frei wählbaren Kommunikationskanälen. So kann je nach Situation über  einen Chat auf der Webseite, WhatsApp, E-Mail oder per Sprache kommuniziert werden. 

Welche technischen und organisatorischen Voraussetzungen müssen Unternehmen schaffen, damit der Chatbot wirklich „mitreden“ kann?

Erstens ist eine saubere Datengrundlage Pflicht: Stammdaten-Harmonisierung und klar definierte API-Schnittstellen zu ERP, PIM und CRM stellen sicher, dass der Bot auf konsistente Informationen zugreift. Zweitens garantiert eine einheitliche Rechte- und Rollenlogik, dass nur freigegebene Daten, insbesondere kundenindividuelle Konditionen, ausgegeben werden. Drittens ermöglichen entsprechende Werkzeuge für eine kontinuierliche Verbesserung der Fähigkeiten und Antwortqualität ein entsprechendes Finetuning.  
Organisatorisch sollten Vertrieb und Customer Service früh eingebunden werden, um ihr Prozess-Know-how in Intent-Bibliotheken und Antworttemplates zu überführen; flankierende Schulungen steigern die Akzeptanz. Moderne B2B E-Commerce Plattformen bringen alle relevanten Daten, Schnittstellen und eine granulare Rechteverwaltung bereits mit. Die Anbindung des KI-Chatbots an dieser Stelle spart daher erhebliche Integrationsaufwände und liefert zugleich ein ideales Frontend für gemeinsame Interaktionen. 

Welchen ROI können Entscheider:innen erwarten?

Neben dem 24/7-Angebot in möglichst vielen Sprachen bekommt der Kunde für viele Fälle eine sehr schnelle und kompetente Antwort. Die Entlastung der Mitarbeitenden im Vertrieb für einfache Auskunftsanfragen sollte sich also sehr schnell in einer signifikant sinkenden Anzahl an Erstlinientickets zeigen. Gleichzeitig steigt der Umsatz durch Cross- und Upselling, weil der Bot Bestellhistorien analysiert und passende Add-ons vorschlägt. Der ROI ist dabei kein statischer Wert, sondern verbessert sich kontinuierlich: Laufende Prompt-Optimierung, die Anbindung vektorisierter Wissenspools und zusätzliche APIs erweitern den Wissenshorizont der KI analog zur Weiterbildung menschlicher Mitarbeiter:innen. Verbesserungen zeigen sich in Kennzahlen wie Net Promoter Score, durchschnittlicher Antwortzeit oder Warenkorbgröße, die bereits nach wenigen Wochen signifikant zulegen können. Unter Berücksichtigung planbarer Hosting- und Lizenzkosten sollte sich das Gesamtprojekt innerhalb kurzer Zeit amortisieren und die Effizienzkurve steigt weiter, je besser der Bot trainiert und ins Ökosystem eingebunden wird.

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