Mehr als die Hälfte der Hersteller und des Fachhandels geht davon aus, dass das allgemeine Reparaturvolumen wie auch das ihres eigenen Unternehmens infolge der Richtlinie steigen wird. Etwa 80 Prozent der Fachhandelsunternehmen führen die erwartete steigende Nachfrage vor allem auf ein stärkeres Bewusstsein der Verbraucher:innen sowie auf rechtliche Ansprüche zurück. Zudem erwarten 79 Prozent, dass die zunehmende Komplexität moderner Elektrogeräte künftig häufiger professionelle Reparaturen erforderlich macht.
Die größte Herausforderung für den Fachhandel bei der Umsetzung eines Reparaturangebots ist die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte: 71 Prozent der Fachhändler empfinden die Rekrutierung als „sehr schwierig“, weitere 13 Prozent als „eher schwierig“. Diese Ergebnisse unterstreichen, wie angespannt die aktuelle Lage speziell auf dem Arbeitsmarkt für Reparaturfachkräfte und damit für die Reparaturbetriebe insgesamt bereits schon ist. Weitere Herausforderungen sind die Reparierbarkeit von defekten Geräten, sowie die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und die geringen Margen bei Reparaturen.


Nach Einschätzung der Befragten stellen vor allem die hohen Lohnanforderungen in elektrotechnischen Berufen eine große Hürde für freie Werkstätten und den Fachhandel dar, geeignetes Fachpersonal zu gewinnen. Verstärkt wird diese Problematik durch den demografischen Wandel: Laut Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit ist etwa ein Viertel der Beschäftigten in elektrotechnischen Berufen bereits 55 Jahre oder älter. Entsprechend rechnen die meisten befragten Fachhändler (90 %) damit, dass sich der Fachkräftemangel im Reparaturbereich künftig weiter verschärfen wird.

Die Studie offenbart ein Informationsdefizit bei Verbraucher:innen. Zwar ist die Bekanntheit der Richtlinie gegenüber dem Vorjahr gestiegen – von 38 auf 44 Prozent –, doch ein erheblicher Teil der Bevölkerung kennt die Details nicht. Besonders problematisch ist die Fehleinschätzung, dass es sich um ein kostenfreies Reparaturrecht handelt. 14 Prozent derjenigen, die glauben, mit der Richtlinie vertraut zu sein, gehen fälschlicherweise von einem kostenlosen Anspruch aus. Hier könnte gezielte Aufklärung helfen, um unrealistischen Erwartungen vorzubeugen.
58 Prozent der Fachhandelsunternehmen und 55 Prozent der Hersteller gehen davon aus, dass im Zuge des Rechts auf Reparatur das Reparaturvolumen allgemein steigt. Auch eine Steigerung des eigenen Reparaturvolumens wird erwartet (Fachhandel: 52 %, Hersteller: 56 %). Zudem sehen Fachhandel und Hersteller Chance für eine Stärkung der Kundenbindung, Möglichkeiten für Up- und Cross-Selling durch mehr Kontaktpunkte zum Kunden sowie Chancen für den Reparaturservice als neues Geschäftsmodell.

Trotz der guten Chancen äußern jedoch auch fast drei Viertel der befragten Fachhändler (74 %) und knapp die Hälfte der befragten Hersteller (40 %), mit den aktuell vorhandenen Ressourcen nicht oder nur teilweise auch ein größeres Reparaturvolumen umsetzen zu können.
Neben den Herausforderungen, die sich für Hersteller und Fachhandel ergeben, könnte sich das Recht auf Reparatur auch negativ für die Verbraucher:innen auswirken. 68 Prozent der Fachhandelsunternehmen und 63 Prozent der Hersteller gehen davon aus, dass im Zuge der Richtlinie die Kosten für Reparaturen steigen werden. Dies wird vor allem mit dem zusätzlichen personellen Aufwand für Serviceleistungen (Hersteller: 92 %, Fachhandel: 58 %), sowie Reparaturen (Hersteller: 67 %, Fachhandel: 58 %) begründet, aber auch mit den zusätzlichen Kosten, beispielsweise für Ersatzteile (Fachhandel: 68 %) und der Lagerung von diesen (Hersteller: 83 %).
