In diesen Wochen treffen zwei Themen aufeinander, die eng miteinander verknüpft sind: die emotional geführte Diskussion um das Stadtbild und die analytische Auseinandersetzung mit den Kosten und Auswirkungen von Leerstand für Kommunen. Beide Themen zeigen, wie sehr Erscheinungsbild, Nutzung und wirtschaftliche Vitalität einer Stadt zusammenhängen – und wie wichtig faktenbasierte Entscheidungen für das Gemeinwohl sind.
Was Leerstand eine Stadt wirklich kostet
Die Stadt Hanau hat sich jüngst mit unserem Berechnungsmodell zur kommunalen Wirkungskette von Leerstand beschäftigt – mit deutlichen Ergebnissen:
- 1,5 Millionen Euro Mindereinnahmen pro Jahr für den städtischen Haushalt,
- rund 20.000 Quadratmeter ungenutzte Fläche,
- allein 900.000 Euro entgangene Gewerbesteuer jährlich.
Diese Zahlen zeigen klar, dass Leerstand weit mehr ist als nur ein ästhetisches Problem. Er schwächt die kommunale Finanzkraft, mindert Attraktivität und kann zu negativen Wahrnehmungen von Sicherheit und Sauberkeit beitragen. Am Ende geht es um Gemeinwohl und Wertschöpfung, die beide notwendig sind, um sozialen Frieden und städtische Lebensqualität zu sichern.
Belebung statt Leerstand: Hanaus aktive Strategie
Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky setzt konsequent auf Belebung. Mit kreativen Zwischennutzungen, digitaler Ansiedlungssteuerung und einem Standortmarketing, das bundesweit Beachtung findet, wird Leerstand aktiv entgegengewirkt.
Kaminsky bringt es auf den Punkt:
„Studienergebnisse wie diese müssen in Berlin auf die Schreibtische. Sie zeigen, dass es sich lohnt, Steuergelder in die Hand zu nehmen, um unsere Innenstädte weiterzuentwickeln. Der Bund sollte schnell über eine Fortführung der Fördermaßnahmen beraten, denn den Innenstädten läuft die Zeit davon.“
Hanau macht damit eindrucksvoll vor, was in vielen Kommunen folgen sollte: Belebung durch kluge Nutzung, statt bloßer Verwaltung von Leerstand.
Stadtbild und Ansiedlung zusammendenken
Denn: Ein attraktives Stadtbild entsteht nicht allein durch Fassadengestaltung oder Möblierung, sondern vor allem durch Nutzung. Nur, wenn wieder die richtigen Nutzungen – Gastronomie, Kunst, Kultur, Hotellerie oder kreative Zwischennutzungen – in die Innenstadt kommen, entsteht Lebendigkeit. Wo Menschen zusammenkommen, wo öffentlicher Raum genutzt und bespielt wird, entsteht automatisch Sicherheit und Aufenthaltsqualität – ganz ohne zusätzliche, kostenintensive Maßnahmen. Wenn Innenstädte lebendig werden sollen, brauchen Akteure Gestaltungsfreiheit und Vertrauen. Zu strenge Vorgaben und bürokratische Hürden bremsen Engagement und Kreativität.
Emotionen vs. Analyse
Die Diskussion um das Erscheinungsbild unserer Innenstädte ist hoch emotional. Schwächen gibt es überall – doch statt Konfrontation braucht es Versachlichung. Empirie hilft: Wir befragen mit den Vitalen Innenstädten regelmäßig Innenstadtbesucher:innen, um Erwartungen zu verstehen und Lösungen abzuleiten. Mein Kollege Markus Preissner hat auf Basis dieser Ergebnisse im Webinar bei Die Stadtretter das Thema „Stadtbild“ analytisch beleuchtet. Mehr dazu im Video.
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Als IFH KÖLN haben wir bereits eine Vielzahl an Kommunen mit Analysen, dem LeAn-Tool, Machbarkeitskonzepten und Umsetzungsbegleitungen unterstützt. Wenn auch Sie in Ihrer Kommune Bedarfe sehen, aus der Negativspirale rauszukommen, freuen wir uns auf einen ersten unverbindlichen Austausch mit Ihnen.






