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DIe EVENTS DES IFH KÖLN
7. August 2025

Die sieben Regeln zur Vitalisierung der Innenstädte sind abgeleitet aus der Untersuchung VITALE INNENSTÄDTE 2024 mit Hinweisen aus 69.000 persönlich geführter Interviews in über 100 Innenstädten. Besuchsfrequenz und Besucherbewertung sind maßgebliche Kenngrößen für erfolgreiche Vitalisierung von Innenstädten. Haben wir uns im ersten Teil unserer Blogserie den verschiedenen Zielgruppen in der Innenstadt gewidmet, ging es in Teil 2 um das Thema Multifunktionalität und in Teil 3 um die verschiedenen Phasen der Visitor Journey. In Teil 4 beschäftigen wir uns mit dem Ermitteln von Erfolgsfaktoren für die Vitalisierung von Innenstädten und dem richtigen Priorisieren von Maßnahmen.

IFH KÖLN Geschäftsführer und Innenstadtexperte Boris Hedde.

Es ist Kommunen und ihren handelnden Akteuren kaum abzusprechen, dass sie sich örtlich um Attraktivierung ihrer Innenstadt bemühen: Strukturen werden aufgebaut, Fördergelder beschafft, Projekte initiiert – stets mit dem Ziel Vitalisierung zu erwirken. Oftmals organisieren sich kommunale oder lokale Akteursgruppen initiativ, um gemeinschaftlich Maßnahmen vor Ort zu starten. Vielfach wird jedoch leider zu sehr nach Bauchgefühl oder nach partikularen Interessen entschieden, wenn Maßnahmen zu entscheiden oder zu priorisieren sind.

Es ist daher wichtig, eine unabhängige Datenbasis zu nutzen, die hilft, Entscheidungen fundiert und valide abzuleiten. Die Analyse VITALE INNENSTÄDTE mit ihrer Vielzahl an Feedbackgebenden (knapp 69.000 Interviews) aus über 100 Innenstädten bietet hierfür Möglichkeiten.

1. Wirkungsgrad auf Attraktivitätssteigerung entscheidend

Zunächst ist das Ziel zu definieren. Im Kern geht es zumeist um Steigerung der Standortattraktivität. Dies vor Augen sollte der Fokus des Handelns auf jene Themenfelder gerichtet sein, die den größten Wirkungsgrad für Innenstadtattraktivität innehaben.

Am IFH KÖLN haben wir deshalb statistisch untersucht, welchen Wirkungsgrad die in der Studie untersuchten Erfolgsfaktoren auf das Merkmal Gesamtattraktivität der Innenstadt aufweisen.

Mit Hilfe einer sogenannten Treiberanalyse wurde aufgezeigt, dass der höchste Wirkungsgrad mit der „Aufenthaltsqualität“ verbunden ist. Diese wirkt sich am stärksten positiv auf die Gesamtattraktivität aus. Als zweitstärkster Effekt in puncto Innenstadtattraktivität wurde der Erfolgsfaktor „Lokale Erlebniswert“ herausgearbeitet, gefolgt von den Faktoren „Gebäude/Fassaden“ (drittstärkster), „Einzelhandelsangebot“ (viertstärkster) und von „Örtliche Sauberkeit“ als fünftstärkstem Erfolgsfaktor.

Auf der anderen Seite der Ergebnisskala mit den niedrigsten Wirkungsgraden stehen dagegen: „Parkmöglichkeiten (PKW)“ (niedrigster Wirkungsgrad), „Autofreundlichkeit“ mit zweit- und „ÖPNV-Erreichbarkeit“ mit drittschwächstem Wirkungsgrad.

Dies mutet irritierend an, sind doch gerade letztgenannte Themen oft besonders emotional diskutiert. Wird aber vergegenwärtigt, dass in puncto Gesamtattraktivität der Innenstadt diese Kriterien tatsächlich wenig Hebel innehaben – wer reist schon besonders gerne in Städte, die besonders gute Parkplätze haben – wird hieran deutlich, dass Handlungsfelder zur Steigerung der Gesamtattraktivität einer Innenstadt genau auszuwählen sind, wenn sich nachhaltiger Erfolg einstellen soll.       

Grafik aus der Studie Vitale Innenstädte des IFH KÖLN, das ein Säulendiagramm zeigt, das die Erfolgsfaktoren der Innenstadt in Bezug auf Gesamtattraktivität zeigt. Die verschiedenen Erfolgsfaktoren werden nach ihrer Effektstärke und Bedeutung in dem Diagramm eingeteilt. Insgesamt werden 20 Erfolgsfsaktoren aufgelistet.

 

2. Zwischen Basis- und Attraktivitätsfaktoren unterschieden

Es wurde deutlich, dass es relevante Unterschiede gibt, wenn lokale Attraktivität aktiv gesteigert werden soll. Naturgemäß haben die letztgenannten Merkmale  „Autofreundlichkeit“ und „ÖPNV-Erreichbarkeit“ dennoch eine Wirkung, wenn sie nicht berücksichtigt sind. Ist die Erreichbarkeit nicht gewährleistet oder sind nicht ausreichend Parkplätze vorhanden, kann dies dazu führen, dass Besuche der Innenstadt gar nicht mehr erfolgen.

Hier zeigt sich, dass Ziele genau formuliert werden müssen, bevor Maßnahmen entschieden werden. Parken kann unter Umständen als ein Hygienefaktor (ein Faktor, der die Unzufriedenheit verhindert, deren positive Ausprägung jedoch nicht zur Zufriedenheit beiträgt) angesehen werden, wenn es stärker um Besuchsfrequenzsteigerung geht. Das mag z. B. in Kommunen mit hoher Zentralität besonders wichtig sein.

3. Wirkungsgradunterschiede bei unterschiedlichen Zielgruppen

Neben der Zielrichtung stellt sich auch bei der Maßnahmenpriorisierung die Frage, wie unterschiedlich Erfolgsfaktoren in unterschiedlichen Zielgruppen (z. B. Altersgruppen, Herkunft) wirken. Entsprechend wurden die Antworten von Babyboomern und Gen Z betrachtet sowie von Auswärtigen und innerstädtisch Wohnenden.

Auch wenn die Bewertung bei einzelnen Erfolgsfaktoren in den unterschiedlichen Zielgruppen erwartungsgemäß stärker oder schwächer ausgeprägt ist, wird deutlich, dass bei Zuordnung und Vergleich der Erfolgsfaktoren zueinander das Gesamtbild in der Tendenz übereinstimmt – siehe Abbildung.

Entsprechend kann bei Beurteilung von Maßnahmen dadurch sehr gut und komplexitätsreduzierend vor dem Hintergrund einer „Innenstadt für Alle“ entschieden werden.

Grafik aus der Studie Vitale Innenstädte des IFH KÖLN, das ein x/y-Koordinatensystem zeigt, das die Erfolgsfaktoren der Innenstadt im Generationenvergelich zeigt. Der Vergleich wird zwischen Gen Z und Babyboomer gezogen.

 

Fazit: Erst Ziele setzen, dann Maßnahmen bewerten und erst dann handeln!

Die kurzen Ausführungen zeigen, wie wichtig es ist, vor einer Entscheidung zu Innenstadtmaßnahmen genau festzulegen, was das jeweilig zu erreichende Ziel ist. Dann kann darauf aufbauend eine Bewertung und Priorisierung von Maßnahmen erfolgen, bevor ausgewählte Maßnahmen umgesetzt werden. Vielfach erfolgt dies erst später mit der Folge, dass Anstrengungen und Maßnahmen verpuffen. Gerne unterstützen und moderieren wir am IFH KÖLN mit unabhängiger Datenbasis Entscheidungsprozesse in Kommunen - denn Vitalisierung per se tut in vielen Innenstädten tatsächlich Not.

Weitere Infos finden Sie in unserer Studie "Vitale Innenstädte 2024".

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