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Innenstadtbelebung trotz Corona: Was ist die Lösung?

Autor: Boris Hedde | Datum: 17.06.2020

Die Maßnahmen rund um die Eindämmung der neuen Corona-Pandemie werden immer mehr gelockert: das Innenstadttreiben scheint sich zu normalisieren. Ein Trugschluss? Eine Momentaufnahme? In jedem Fall muss nachhaltig agiert werden!

Aus den Gesprächen mit Innenstadtakteuren ist ein Hilferuf herauszuhören – ob im Einzelgespräch, im projektbezogenen Experteninterview oder bei Innenstadt-Roundtables.

Einerseits geht es darum, die notwendigen Abstands- und Hygieneregeln bestmöglich umzusetzen. Andererseits sind in Zeiten von Konsumzurückhaltung und rückläufiger Kundenfrequenz Maßnahmen notwendig, um Handelsstandorte zu beleben und lokal besonders getroffene Handels- und Gastronomieanbieter zu stärken.

Gibt es eine Schablone? Sicherlich nicht! Gibt es Erfolg versprechende Maßnahmen? Ja, allerdings sind diese stets abhängig von den lokalen Gegebenheiten. Digital gestützte Strategien, Verlängerung der Öffnungszeiten oder Eventimpulse können helfen, wenn es lokal passt, wenn verschiedene Akteure mitwirken und wenn Geschäftsmodelle gezielt darauf ausgerichtet sind.

Es wird keine einzelne Lösung geben, die kurzfristig die Rettung aller gefährdeten lokalen Anbieter zur Folge hat. Vielmehr sind nach der Sicherung der wirtschaftlichen Liquidität kooperativ Rahmenbedingungen zu schaffen und lokal gemeinschaftliche Wege mit unterschiedlichen Maßnahmen zu gehen. Wer die Anforderungen von Besucher*innen und Anbieter*innen am Standort kennt, wird Ansatzpunkte identifizieren. Individuelle Passgenauigkeit ist jedoch entscheidend. Irgendeine (technische) Lösung zu nutzen, wird am Ende nicht den Erfolg bringen können und im schlechtesten Fall - wie mehrfach in Deutschland gesehen - , vor Ort zu Reaktanz der Akteure führen.

Auch in der Krise muss nachhaltig agiert werden. Am Anfang steht ein Stadtkonzept, dass sich an den Anforderungen vor Ort orientiert. Am Ende steht im besten Fall das Zusammenspiel unterschiedlicher lokaler Akteure – befähigt durch kompetente Berater und Lösungsanbieter. Wird dieser Prozess gewissenhaft durchlaufen, können konkrete Maßnahmen wie eine veränderte Öffnungszeit, digital gestützte Services oder adaptierte Besucheransprache positiv auf die Belebung der Städte wirken. Wünschenswert dabei wäre, Erfahrungen über Städte hinweg zu teilen und so die Wiederholung von Fehlern lokal zu vermeiden.

Bei allen Anstrengungen muss jedoch konstatiert werden, dass die größte Herausforderung die generelle Konsumzurückhaltung ist. Ausgelöst durch Kurzarbeit oder Arbeitsplatzverluste entstehen aktuell bundesweit Ängste bezüglich der wirtschaftlichen Situation. In diesem Kontext tun sich auch die besten Strategien schwer.

Entsprechend wichtig ist es, bei der Umsetzung von kurzfristigen Maßnahmen Abstimmung zwischen Anbietern, Stadtverwaltungen, Wirtschaftsförderungen und Stadtmarketing zu gewährleisten und gemeinschaftlich Skalierbarkeit zu erzeugen.

Exemplarisch sind an dieser Stelle gemeinsame, zentrale Bestell- und Abholservices von mehreren Geschäften, besondere Anreize für den Besuch bestimmter Zielgruppen an definierten Tagen oder bestimmte digital gestützte Services zu nennen. Diese Art von Maßnahmen haben einen doppelten Vorteil: Sie können zum einen dabei helfen, Handel und Gastronomie zu stärken und zum zweiten gleichzeitig Kundenströme so zu koordinieren, dass Abstands- und Hygieneregeln in der Stadt effektiver umgesetzt werden.

Eine weitere aktuell vielfach diskutierte Maßnahme ist die Verlängerung von Öffnungszeiten und Sonntagsöffnung im Handel.

Grundsätzlich ist eine weitgehende Liberalisierung wünschenswert, damit der Handel selbst entscheiden kann, wann, wo und wie er öffnet. In der Folge ergibt sich mehr Flexibilität für die heute vor Ort handelnden Akteure. Auch ist damit vorstellbar, dass sich neue Geschäftsmodelle etablieren lassen – zum wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Wohle und für mehr Attraktivität der Innenstädte. Kurzfristig ist aufgrund der geringen Konsumneigung davon auszugehen, dass es angesichts der zusätzlichen Kosten vielfach nicht direkt hilfreich wäre, sonntags zu öffnen. Aktuell ist zu befürchten, dass zusätzliche Ausgaben die Einnahmen übersteigen.

In jedem Fall gilt jedoch für die Bewältigung der Krise: Jetzt vor Ort zusammen agieren, Maßnahmen in Angriff nehmen und lokal den Weg der kleinen Schritte gemeinsam und solidarisch gehen.