Arzneimittel-Lieferengpässe bleiben Dauerthema in Apotheken. Medikamentenaustausch nicht immer möglich. Mehrarbeit und Retaxationen in Apotheken beklagt. ALBVVG wirkt bislang nur bedingt. Konjunkturindizes sinken weiter.
Arzneimittel-Lieferengpässe bleiben in Deutschland ein Dauerthema. In der aktuellen Ausgabe des Apothekenkonjunkturindex (APOkix) geben 74 Prozent der befragten Apothekeninhaber:innen an, in den letzten drei Monaten stark von Lieferengpässen bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln betroffen gewesen zu sein. Im Vorjahr lag der Anteil stark von Lieferengpässen betroffener Apotheken noch bei 92 Prozent. Ob sich die Situation in absehbarer Zeit weiter verbessert, ist nach Einschätzung der Apothekeninhaber:innen ungewiss: Lediglich 12 Prozent gehen davon aus, dass sich die Engpassproblematik in den kommenden Monaten spürbar entspannen wird. Neun von zehn Befragten äußern, es in ihren Apotheken regelmäßig mit kurzfristigen, für sie unerwarteten Lieferengpässen zu tun zu haben (90 %), die in vielen Fällen ein hohes Maß an Mehrarbeit bedeuten (92 %).
Jede zweite Apotheke kann Engpässe bestimmter Arzneimittel nicht ausgleichen
Lieferengpässe betreffen die Produktgruppen in der Apotheke unterschiedlich stark: Während es bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln weiterhin häufig zu Engpässen kommt, sind nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel und sonstige Produkte des Apothekensortiments seltener betroffen. Nach Angaben der Befragten kam es in den vergangenen drei Monaten bei Psychopharmaka/Antidepressiva besonders häufig zu Lieferschwierigkeiten (88 %). Auch Blutdruckmittel (79 %), Cholesterinsenker (77 %), Demenz-/Alzheimer-Medikamente (73 %) und Schilddrüsen-Präparate (63 %) waren vergleichsweise häufig von Engpässen betroffen. Rund 50 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass sich Schilddrüsen-Medikamente, Immunglobulinpräparate und Psychopharmaka/Antidepressiva in diesem Zeitraum häufig nicht problemlos durch andere Medikamente austauschen ließen.
ALBVVG nur bedingt wirksam
Das im Juli 2023 in Kraft getretene Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) soll die Versorgungssicherheit mit Arzneimitteln stärken, Lieferengpässe reduzieren und die Abhängigkeit von Produktionsstandorten außerhalb der EU verringern. Eine spürbare Verbesserung der Engpasssituation durch die im Gesetz verankerten Maßnahmen nehmen bislang lediglich 22 Prozent der Befragten wahr. Rund jede:r Vierte gibt an, dass durch das ALBVVG die Anzahl der Retaxationen aufgrund des engpassbedingten Austauschs von Medikamenten deutlich gesunken sei (26 %). Dennoch sieht sich aktuell fast jede zweite Apotheke häufig lieferengpassbedingten Retaxationen gegenüber (48 %). Knapp sechs von zehn Befragten beklagen, dass die ALBVVG-Regelungen den organisatorischen Aufwand in ihren Apotheken eher erhöht als reduziert haben (58 %), die Austausch- und Abweichungsregelungen aber die tägliche Arbeit im Umgang mit Lieferengpässen erleichtern (62 %).
Rückgang der Konjunkturindizes setzt sich fort
Die Konjunkturindizes entwickeln sich auch im Januar negativ: Der Index zur Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sinkt um 8,9 auf 59,5 Punkte. Der Index für die Geschäftserwartungen der kommenden 12 Monate verliert gegenüber dem Vormonat 4,1 Punkte und liegt im Januar bei 45,5 Punkten.
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Über den APOkix
Der Apothekenkonjunkturindex APOkix des IFH KÖLN ist das Stimmungsbarometer im deutschen Apothekenmarkt. In den monatlichen Onlinebefragungen werden Apothekeninhaber:innen zur Einschätzung ihrer aktuellen und erwarteten Umsatzlage befragt. In monatlich wechselnden Zusatzfragen werden zudem aktuelle Marktthemen beleuchtet. Für den APOkix im Januar wurden im Zeitraum vom 12.01.2026 bis zum 25.01.2026 insgesamt 121 Apothekeninhaber:innen online befragt. Die APOkix-Teilnehmer:innen stammen aus dem gesamten Bundesgebiet und repräsentieren sowohl größere als auch kleinere Apotheken, wie auch Apotheken in städtischen und ländlichen Gebieten. Die aktuelle Befragung beleuchtet die Lieferengpassproblematik im Vergleich zum Vorjahr. Der APOkix wird unterstützt von der NOWEDA eG Apothekergenossenschaft und dem Deutschen Apotheker Verlag.
Die aktuellen APOkix-Ergebnisse können im Shop des IFH KÖLN kostenfrei heruntergeladen werden.






