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17. September 2021

Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und Hygienekonzepte haben das Konsumverhalten und damit auch die Einzelhandelsentwicklung in Deutschland im Jahr 2020 stark beeinflusst. Durch die Coronapandemie und die damit verbundenen Einschränkungen fanden erhebliche Bedarfsverschiebungen statt – während einzelne Branchen ganz klar davon profitieren konnten, litten oder leiden auch aktuell noch viele Branchen unter diesen Umständen. Zwischen den Gewinner- und Verlierer-Branchen liegt die Bandbreite von Wachstum bzw. Verlust zwischen
Minus 17,2 Prozent und Plus 41,3 Prozent (2020 gegenüber 2019), also fast 60 Prozentpunkte. Diese Spannweite fiel in den Vorjahren deutlich niedriger aus und spiegelt damit das stark veränderte Konsumverhalten im ersten Jahr der Pandemie wider.

Fashion besonders getroffen

Besonders stark betroffen ist fast der komplette Fashionbereich. Der traurige Spitzenreiter unter den Verlierern: Der Markt für Herrenbekleidung mit Minus 17,2 Prozent, dicht gefolgt von Lederwaren/Accessoires (-16,6 %), Schuhen (-15,6 %) und Damenbekleidung (-15,4 %). Die Händler blieben vor allem auf der Frühjahrsmode sitzen, Nachholbedarf kommt hier eher nicht zum Tragen. Fehlende Anlässe und private Treffen bedingten ihr Übriges. Auch neue Uhren und Schmuck (-15,0 bzw. 10,0 %) scheinen während der Krise für Konsumentinnen und Konsumenten eher nachrangig zu sein.  

Bei Büromöbeln zeigt sich mit Minus sieben Prozent ein unerwartetes, aufgrund der traditionell starken B2B-Dominanz aber nicht verwunderliches Ergebnis. Der Markt kann augenscheinlich nicht davon profitieren, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihr Büro nach Hause verlagert haben. Insbesondere die B2B-lastige Nachfrage nach Büroschränken und Schreibtischen sorgt für dieses Ergebnis. Obwohl Sitzmöbel leicht im Plus sind, können sie die Umsatzverluste nicht kompensieren. Die fehlende B2B-Nachfrage ist auch für die negative Entwicklung im Markt für Glas-, Porzellan-, Keramik- und Hausratartikel (GPK/Hausrat: -2,3 %) verantwortlich.

Fahrradmarkt: Erneuter Sieger im Konsumgütermarktranking

Das Ranking der Umsatzentwicklung wird, wie auch im letzten Jahr, vom Fahrradmarkt (+41,3 % im Vergleich zum Vorjahr) angeführt. Neben dem E-Bike-Boom, der in den letzten Jahren zu außerordentlich starken Umsatzzuwächsen geführt hat, tut auch hier die Pandemie ihr Übriges: Das Ausweichen auf den Individualverkehr aus Gründen des Infektionsschutzes gibt dem Fahrradmarkt starken Rückenwind.

Ebenfalls stark gewachsen ist der Markt für Elektro-Kleingeräte. Nachdem auch hier 2019 ein sehr gutes Ergebnis zu Buche geschlagen hatte (+7,6 % im Vergleich zum Vorjahr), erzielte der Umsatz 2020 mit einem Wachstumsplus von 18,1 Prozent den nächsten Rekordwert. Die Umsatztreiber des Marktes auf Warengruppenebene waren nach wie vor Küchenmaschinen, Personal-Care und Kaffee-/Espressoautomaten. Als einzige Warengruppe unter den Elektro-Kleingeräten können Bügeleisen nicht von den positiven Rahmenbedingungen profitieren – was sich ebenfalls durch die veränderten Bedarfe im Home Office und dem Wegfall sonstiger Anlässe wie Feiern oder privater Treffen erklären lässt.

Weitere Pandemiegewinner lassen sich im Garten-/Baumarktbereich finden. Der Rückzug in die eigenen vier Wände bzw. der Homing/Cocooning-Trend, wegfallende Ausgaben für Fernreisen und die gute Witterung beflügeln die Branche. Besonders im Trend: Gartenhartware mit einem Umsatzwachstum von Plus 17,0 Prozent – Produkte rund um Gartengeräte, Gartenausstattung, Wasser im Garten, Holz im Garten und Grillen zählen dazu. Daneben fällt der Bereich Farben, Lacke Tapeten auf. Mit einem Ergebnis von Plus 14,4 Prozent wird deutlich, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher während der Pandemie mehr Zeit zuhause verbringen und dabei das eigene Heim verschönern. Auch viele andere Märkte der Branche stehen auf der Sonnenseite, wie z. B. Holz, Bauchemie, Baustoffe, Fliesen oder sonstige nicht textile Bodenbeläge ebenso wie die Kernmärkte des Home & Interior Marktfeldes: Möbel und Küchen.

Lebensmittel mit Plus 10 Prozent

Eine Überraschung offenbart sich auf dem sechsten Platz: Der ansonsten nicht sehr konjunkturreagible Lebensmittelmarkt (Umsatzvolumen Lebensmittel im Handel ohne Gastronomie) erzielte ein Umsatzplus von 10,6 Prozent. Augenscheinlich wurden Umsätze aus dem Außer-Haus-Verzehr zum Teil in die eigenen Wände verlagert und es wurde schlichtweg viel mehr gekocht – zugunsten aller Warengruppen des Foodmarktes.

Insgesamt verläuft die Entwicklung innerhalb der einzelnen Märkte auch sehr uneinheitlich. Ein Beispiel ist der Sportmarkt: Der Gesamtmarkt kommt hier mit einem Minus von 0,3 Prozent vergleichsweise glimpflich davon, während der Umsatz in den Warengruppen Skiausrüstung und Skibekleidung um über 30 Prozent eingebrochen ist. Auf der anderen Seite stehen die Wearables bzw. Fitness-Tracker, die mit über 20 Prozent Wachstum deutlich zulegen konnten. Ebenfalls unter den Gewinnern: Sonstige Sportarten und Zubehör, insbesondere Produkte rund um Tischtennis, Golf und Inlineskating.

Die aktuelle Umsatzentwicklung in den Branchen weist gemäß den Messzahlen zur Einzelhandelsentwicklung des Statistischen Bundesamtes in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 noch drastischere Entwicklungen als im Vorjahr auf. Nach Monaten des Dauerlockdowns sehen sich viele Händlerinnen und Händler mit noch schwereren Umsatzeinbußen konfrontiert als 2020. So sank beispielsweise der Umsatz im Einzelhandel mit Bekleidung in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2019, dem „Normalzustand“ vor der Pandemie sozusagen, um fast 52 Prozent. Im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 waren es „nur“ 33 Prozent.

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