Neues aus der Handelswelt
Mit Forschung und Beratung erfolgreich im Handeln
B2C- & B2B-Händler
Hersteller
Kommunen & Ministerien
Dienstleister
Expertise für Handel im digitalen Zeitalter
Hier findet ihr unsere Studien 
Themen
Branchen
Spannende Projekte aus der IFH Welt
DIe EVENTS DES IFH KÖLN
3. Februar 2026

Lange Zahlungsziele, verspätete Zahlungseingänge und hoher manueller Aufwand stellen das Forderungsmanagement im B2B-Handel vor große Herausforderungen. Gleichzeitig eröffnen datenbasierte Technologien und Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten Prozesse effizienter zu gestalten. Wie KI das Forderungsmanagement bereits heute verändert erläutert Ingmar Stupp, CEO & Co-Founder von unserem ECC CLUB Mitglied Tilta, im Interview.

Welche Use Cases siehst du für den Einsatz von KI im Forderungsmanagement?

Das Thema KI im Forderungsmanagement ist aktuell eines der spannendsten Felder im B2B- Finanzwesen. Künstliche Intelligenz ist hier keine Zukunftsmusik mehr, sondern findet heute schon statt. Sie kann mittlerweile die gesamte Prozesskette abdecken: Von der automatisierten Risikoprüfung vor Geschäftsabschluss über Echtzeit-Entscheidungen bei der Forderungsfinanzierung bis hin zur Verbuchung von Zahlungseingängen. Und natürlich im Mahnwesen selbst, wo KI Zeitpunkt und Tonalität der Ansprache individuell steuert.

Welche konkreten Vorteile siehst du?

Das durchschnittliche Zahlungsziel im B2B-Bereich liegt bei langen 60 Tagen. Hinzu kommt, dass B2B-Zahlungen durchschnittlich 17 Tage zu spät geleistet werden. Vor diesem Hintergrund können Firmen z. B. KI-gestützte Software zum flexiblen Forderungskauf einsetzen, um ihre Days Sales Outstanding (DSO) zu reduzieren, also die durchschnittliche Zeit, die ein Unternehmen benötigt, um offene Kundenrechnungen in tatsächliche Liquidität zu konvertieren.

Zudem können Unternehmen durch den Einsatz von KI Aufwände reduzieren und dem herrschenden Fachkräftemangel entgegenwirken. Firmen verbringen im Durchschnitt 71 Tage pro Jahr damit, verspäteten Zahlungen hinterherzulaufen. Hieraus ergeben sich erhebliche Einsparpotenziale durch eine KI-gestützte Automatisierung des Debitorenmanagements.

Darüber hinaus können Verantwortliche durch KI-gestützte Software bessere Entscheidungen treffen. Heute ist es problemlos möglich, den Forderungsbestand per Chat analysieren zu lassen - und das ohne Programmierkenntnisse oder den Umweg über eine Business-Intelligence-Abteilung. So erkennt die KI z. B. schleichende Verschlechterungen der Zahlungsmoral eines Kunden, worauf Entscheider:innen dann frühzeitig reagieren können.

Welche Rolle spielt in Zukunft aus deiner Sicht noch der Mensch?

Der Mensch wird in Zukunft die KI-Governance übernehmen und weiterhin komplexere Fälle im Mahnwesen managen, etwa wenn ein langjähriger Kunde in eine finanzielle Schieflage gerät. Hier ist menschliches Fingerspitzengefühl gefragt.
Die KI kann wertvolle Insights liefern und beispielsweise Klumpenrisiken in bestimmten Branchen identifizieren, aber die strategische Entscheidung, ein solches Risiko bewusst zu akzeptieren, bleibt eine unternehmerische Aufgabe.

 

---

Quellenangaben:

¹ https://single-market-economy.ec.europa.eu/document/download/
² https://www.intrum.com/media/caqod3qr/intrum-epr-2025.pdf

 

cartmagnifiermenu