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30. September 2025
Portraitfoto von Ann-Sophie Sell von Intermate

Künstliche Intelligenz verändert das Marketing in rasantem Tempo – und Social Media steht dabei durch den enormen Bedarf an Content und die riesige Menge an Nutzerdaten besonders im Fokus. KI-Tools werden für Unternehmen zunehmend unverzichtbar. Doch wo sollten Marketer:innen anfangen und welche Rolle spielt der Mensch noch in dieser neuen Ära? Ann-Sophie Sell, Geschäftsführerin bei unserem ECC CLUB Mitglied Intermate, erklärt im Interview, wie KI das Social Media Marketing bereits verändert hat und warum Unternehmen jetzt unbedingt handeln sollten.

Wie verändert KI aktuell das Social Media Marketing und warum sollten Unternehmen jetzt handeln, anstatt abzuwarten?

KI ist im Social Media Marketing nicht mehr wegzudenken – von der Markt- und Zielgruppenanalyse über die Content-Erstellung bis hin zur automatisierten Optimierung von Kampagnen. Dabei wird vor allem eines gesteigert: die Effizienz. KI-Tools analysieren in Sekunden, was früher stundenlangen manuellen Aufwand bedeutete. KI-generierter Content macht so manches Shooting und inzwischen auch Video-Produktionen unnötig. Besonders relevant ist das, wenn es zum Beispiel um die serielle Inszenierung von Produkten in verschiedenen Kontexten geht.

Das Potenzial für Performance Uplift ist enorm: Unternehmen können schneller auf Trends reagieren, unzählige Varianten erstellen und testen und deutlich personalisierter kommunizieren. Und die Konkurrenz schläft nicht. Viele Marken haben bereits begonnen, KI strategisch für sich zu nutzen und bauen kontinuierlich Teams und Expertise auf.

Gleichzeitig ist KI im Social Media Marketing noch nicht überall angekommen. Es gibt noch genug Raum, sich Wettbewerbsvorteile zu sichern. In ein bis zwei Jahren wird der KI-Einsatz Standard sein – dann ist es deutlich schwerer, sich zu differenzieren. Deshalb ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um zu experimentieren und zu lernen.

Viele Unternehmen sind noch unsicher, wo sie mit KI im Social Media Marketing anfangen sollen. Welche ersten Schritte empfiehlst du und welche Tools oder Anwendungsbereiche eignen sich besonders für den Einstieg?

Der Einstieg ist einfacher als viele denken. Für den Anfang reichen die gängigen Tools völlig aus: ChatGPT, Gemini oder Midjourney sind bereits mächtige Helfer, die jeder sofort nutzen kann. Man muss nicht gleich in teure, spezialisierte Software investieren.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: KI kann euch beispielsweise als Sparringspartner für Briefings zur Seite stehen oder bei der Zielgruppenanalyse unterstützen. Gerade Letzteres ist ein echter Game Changer und dabei überraschend simpel umsetzbar. Sammelt einfach Produktbewertungen aus dem eigenen Shop oder von Amazon sowie Social Media Kommentare unter bestehenden Ads und packt alles in eine Excel-Tabelle. Diese lasst ihr dann von einem KI-Tool analysieren – auf Pains, Gains und Objections der Zielgruppe.

Das Ergebnis sind Insights, für die man früher aufwändige Marktforschung betreiben musste. Plötzlich versteht ihr viel präziser, was eure Kund:innen wirklich bewegt, wo ihre Schmerzpunkte liegen und welche Einwände sie haben. Diese Erkenntnisse fließen dann direkt in die nächste Kampagne ein – von der Bildsprache bis zur Argumentation.

Neben solchen internen Anwendungsgebieten kann KI euch natürlich auch bei der Erstellung von Content unterstützen, zum Beispiel Static Ads generieren oder Captions formulieren. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Die Rechte- und Urheber-Thematik ist noch nicht abschließend geklärt, außerdem ist künstliche Intelligenz fehleranfällig, was eine detaillierte Überprüfung der Inhalte zwingend notwendig macht.

Wo siehst du die größten Herausforderungen beim Einsatz von KI im Social Media Marketing? Gibt es Bereiche, wo menschliche Expertise nach wie vor unersetzlich ist?

Die größte Herausforderung sehe ich in der Austauschbarkeit. KI kann heute schon beeindruckende Inhalte produzieren, aber sie bleibt immer oberflächlich und tendiert zur Perfektion – und damit zur Gleichförmigkeit. Wenn alle Unternehmen dieselben Tools nutzen und ähnliche Prompts eingeben, entstehen ähnliche Ergebnisse. Das führt zu einem Meer aus glattem, technisch perfektem, aber emotionslosem Content.

Hier wird die menschliche Expertise unverzichtbar: Wir müssen entscheiden, wann wir auf KI-Effizienz setzen und wann wir bewusst den menschlichen, unperfekten Weg gehen. Authentizität und Empathie lässt sich nicht automatisieren. Humor, Situationskomik, aber auch Zuwendung kann KI nicht: Eine echte Kundengeschichte, ein berührendes UGC eines Creators, eure individuelle Markentonalität, ein spontaner Behind-the-Scenes-Moment oder eine klare Haltung zu gesellschaftlichen Themen – das können nur Menschen, keine Maschinen.

Gerade bei Awards kann man seit Jahren beobachten, dass kreative Ideen dann besonders herausragend sind, wenn sie überraschend, neu, ungesehen sind. KI kann jedoch nur aus bestehendem Wissen – ähnlich einzelner Bausteine – Anderes zusammensetzen. Wirklich neu und überraschend, etwas was noch nie da war – wird KI auf dieser Basis nicht kreieren können. Auch hier braucht es also unseren menschlichen Erfindungsreichtum.

Je stärker sich künstliche Intelligenz verbreitet, desto wertvoller wird das, was sie nicht kopieren kann: KI kann euch hunderte Varianten von Static Ads generieren, aber die Entscheidung, welche Botschaft wirklich zur Marke passt, trefft ihr. KI kann Trends analysieren, aber ob ihr auf einen Trend aufspringt oder bewusst gegensteuert, ist eure strategische Entscheidung. Und gerade bei sensiblen Themen oder in Krisensituationen braucht es menschliches Fingerspitzengefühl für die Community.

Durch die einfache Zugänglichkeit und damit die extrem schnelle Verbreitung von KI, vermute ich daher, dass es schon bald wieder eine Trendwende geben wird: Von Masse wieder hin zu Klasse.

Welche KI-Anwendungen haben sich in deiner Praxis als besonders effektiv erwiesen und wie siehst du die Entwicklung in den nächsten 12-24 Monaten?

Für die nächsten 12-24 Monate sehe ich zwei große Entwicklungen: Erstens wird KI noch stärker direkt in die Plattformen und alle unsere Tools integriert sein. Meta, TikTok und Co. werden ihre eigenen KI-Tools ausbauen, was das Arbeiten vereinfacht, aber auch standardisiert. Zweitens erwarte ich einen Durchbruch bei der Video-Generierung. Während heute hauptsächlich Static Content automatisiert erstellt wird, werden bald auch bewegte Inhalte in noch professionellerer Qualität möglich sein. Doch auch hier gilt für mich weiterhin - KI ist lediglich das Werkzeug. Die emotionale Storyline, die unique Idee, mit der wir auf den Socials und überall sonst aus der Masse herausstechen, die liefern wir Menschen.

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