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15. Dezember 2021

Das zweite Jahr der Coronakrise startete mit einem Lockdown, der je nach Bundesland bis zu sechs Monaten anhielt. Im Vergleich zu den Lockdown-Zeiträumen von 2020 also nicht unbedingt die besten Ausgangsbedingungen für den Einzelhandel. Aber wie wird 2021 unter dem Strich verlaufen? Hier lohnt sich ein Blick auf www.handelsanalyse.de, denn ab sofort finden Sie unsere aktualisierten Prognosen für 2021 bis 2025 auf der Plattform – mit kostenfreiem Zugang für IFH FÖRDERER.

Wie wird 2021 unter dem Strich verlaufen?
Zum Ende des Jahres bietet sich ein Rückbklick auf die vergangenen Monate an. Wie wird sich der Einzelhandel entwickeln und welche branchenspezifischen Unterschiede gibt es? Beispielhaft soll dies im Folgenden für die Branche Fashion & Accessoires beantwortet werden.

Die Messzahlen der Handelsstatistik des Statistischen Bundesamtes, die unterjährig verfügbar sind, geben einen ersten, aktuellen Vorgeschmack auf die branchenspezifische Einzelhandelsentwicklung. Vergleicht man die ersten acht Monate des laufenden Jahres (Januar bis August) nun mit dem entsprechenden 2019er Zeitraum, mithin also dem Vorkrisenniveau, weisen die Messzahlen für den Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren ein Minus von fast 37 Prozent aus. Von den aktuell verfügbaren Indexwerten Januar bis August fällt ein Großteil in die Lockdown-Zeiträume. Entsprechend negativ fällt das aufgelaufene Ergebnis aus. Außerdem decken die Zahlen des Statistischen Bundesamtes nur einen Teil des Marktes ab, denn sie beschränken sich größtenteils auf den Fachhandel[1].

Bezogen auf das Gesamtjahr 2021 wird im Rahmen der IFH-Prognose für den Fachhandel Fashion & Accessoires (auf den Fachhandel beziehen sich im weiteren Sinne auch die Messzahlen) mit einer besseren Entwicklung gerechnet. Gerade in den letzten Monaten des Jahres kann von einer Kompensation ausgegangen werden. Das für viele Branchen so wichtige Weihnachtsgeschäft ist angelaufen – und lässt etwas optimistischer in die Zukunft blicken, als es die Messzahlen für die ersten acht Monate des Jahres vermuten lassen.

Insgesamt ist die nach dem Umsatzeinbruch 2020 für 2021 erhoffte Erholung für den Markt bisher jedoch noch nicht zu erkennen. Nach wie vor sind die Effekte des Homing und Cocooning mit der damit verbundenen, nicht vorhandenen Nachfrage nach Anlassbekleidung zu sehen. Das Marktvolumen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im zweiten Jahr der Pandemie noch nicht wieder auf dem Ausgangsniveau angekommen sein. Die IFH-Gesamtjahresprognose für den Fashionmarkt liegt bei -9,9 Prozent (2021 im Vergleich zu 2019)[2]. Die Nachfrage in den anderen Vertriebskanälen bzw. -formaten abseits des Fachhandels stabilisieren den Markt – zumindest ein Stück weit. Diese Werte stehen allerdings auch unter der Prämisse, das kein weiterer Lockdown Ende 2021 in Kraft treten wird.

Welche Rolle spielt der Onlinehandel?

Als „stabilisierender Faktor“ für die Fashion & Accessoires-Branche wirkt der Onlinehandel. Auch hier geben die Zahlen des Statistischen Bundesamtes einen ersten Hinweis auf die mögliche Branchenentwicklung. Der Versandhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren kann mit einem Plus von 45,5 Prozent in den ersten acht Monaten des Jahres einen erheblichen Zuwachs verbuchen. Allerdings wird hier wieder nur ein Teil des Marktes abgebildet. Die Messzahlen decken in erster Linie institutionelle Versand-/Onlinehändler ab, Internet-Pure-Player sozusagen. Große Fashion-Filialisten, die Onlineanteile von 10, 20 oder 30 Prozent am Gesamtumsatz erwirtschaften, werden innerhalb dieser Betrachtungsweise ausgeblendet.

Auch hier bietet sich wieder ein Blick auf die Daten der Handelsanalyse an. Die Wachstumsrate der Internet-Pure-Player im Bereich Fashion & Accessoires (am ehesten vergleichbar mit den Messzahlen), weist eine geringere Wachstumsrate für das Gesamtjahr 2021 aus. Gerade in den Sommer-/Herbstmonaten, die nicht unter Lockdownbedingungen stattgefunden haben, nahm das gesellschaftliche Miteinander wieder Fahrt auf. Events, Konzerte, Messen oder Kongresse fanden unter Einschränkungen z.T. wieder statt und dürften damit auch die (stationäre) Nachfrage belebt haben.

Die bereits weiter oben genannten Fashion-Filialisten und alle anderen Vertriebswege, die online mit Bekleidung handeln, werden bei der Entwicklung des gesamten Onlinehandels in der Handelsanalyse berücksichtigt. Die Wachstumsrate liegt mit 27,8 Prozent im Vergleich zu 2019 unter der der Messzahlen und der Internet-Pure-Player.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Onlinekäufe im 2. Halbjahr 2021 im Vergleich zu den Offlinekäufen wieder etwas weniger wachsen, schließlich sind die Geschäfte anders als im 1. Halbjahr wieder geöffnet. Hinzu kommt, dass voraussichtlich die Onlineshops der stationären Händler etwas langsamer wachsen als die Onlineshops der Internet-Pure-Player. Kleine, inhabergeführte Fachhandelsbetriebe oder andere Vertriebswege, mit im Vergleich zum Gesamtmarkt unterdurchschnittlichen Onlineaktivitäten, drücken die Wachstumrate etwas nach unten.

Eines ist den drei verschiedenen Wachstumsraten jedoch gemeinsam: Insgesamt zeigt sich nochmal ein erheblicher Schub für den Onlinehandel mit Fashion & Accessoires im zweiten Jahr der Pandemie. In der Krise haben viele Verbraucher:innen die Vorzüge des Onlineshoppings entdeckt, die zuvor noch treue Stationärkäufer waren. Damit ist nicht zu erwarten, dass diese künftig auf die Bequemlichkeit des Onlineshoppings gänzlich verzichten werden.

Für die Beantwortung der Frage: „Wie wird 2021 für den Einzelhandel verlaufen?“ gibt es keine pauschale Antwort. Im zweiten Jahr der Pandemie ist die Bandbreite zwischen den Gewinnern und Verlierern verschiedener Branchen, Kanäle und Formate des Einzelhandels größer geworden – Fashion & Accessoires ist nur ein Beispiel für diese Entwicklung. Unsere Einschätzungen für viele andere Branchen finden Sie ab sofort auf www.handelsanalyse.de in Form von neuen Daten.

Handelsanalyse für IFH FÖRDERER

 

[1] Bei den Messzahlen der Handelsstatistik des Statistischen Bundesamtes wird die institutionelle Betrachtungweise angewandt. Die Messzahlen funktionieren nach dem Umsatzschwerpunktprinzip: Sobald ein Unternehmen mehr als 50 Prozent seines Nettojahresumsatzes z. B. mit Einzelhandel von Bekleidung generiert, ist dieses Unternehmen im Sinne der Statistik ein Einzelhändler für Bekleidung. Dies geschieht unabhängig von Format, Kanal oder dem Verkauf sonstiger „branchenfremder“ Produkte. Verkauft dieses Unternehmen zum Beispiel auch Wohnmöbel und generiert damit 49 Prozent seines Jahresumsatzes, bleibt das Unternehmen in der Statistik ein Einzelhändler für Bekleidung.

[2] Die Daten des IFH KÖLN, die auf dem Portal www.handelsanalye.de für die IFH FÖRDERER kostenlos abrufbar sind, folgen der funktionalen Betrachtungsweise. Das hat den Vorteil, dass alle Warenflüsse der spezifischen Branche in die Berechnung der Umsatzvolumina einbezogen werden. Verkauft ein Lebensmitteleinzelhändler auch Bekleidung, wird dieser Umsatz erfasst und mit in das Volumen des Marktes für Fashion & Accessoires einberechnet – hier wird also der reine, produktorientierte Umsatz dargestellt.

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