Zum nun bereits fünften Mal blickt Host Dr. Kai Hudetz an der HandelBar gemeinsam mit Prof. Dr. Werner Reinartz auf die Lage des Handels – und wagt zugleich den Ausblick nach vorn. Als Direktor des Seminars für Allgemeine BWL, Handel und Kundenmanagement, Prorektor für Transfer in die Gesellschaft sowie Direktor der IFH FÖRDERER bringt Prof. Dr. Reinartz seine fundierte wissenschaftliche und praxisnahe Perspektive ein. Gemeinsam diskutieren sie über das herausfordernde Marktumfeld, steigende Kosten und den Einsatz künstlicher Intelligenz.

Preissensibel, Konsumflaute, Umbruch
Drei Worte beschreiben aus Sicht von Prof. Dr. Reinartz den Handel 2025 treffend: preissensibel, Konsumflaute und Umbruch (02:54). Konsument:innen reagierten deutlich sensibler auf Preise, griffen häufiger zum Einstiegssegment und verkleinerten ihre Warenkörbe (03:45). Gleichzeitig verschärfte sich auf Händlerseite der Druck durch steigende Kosten für Energie, Mieten und Logistik, so der Handelsexperte (ab 04:05). In diesem Spannungsfeld verändere sich die strategische Ausrichtung vieler Unternehmen grundlegend: Weg von reinen Wachstumszielen, hin zu einer klaren Rentabilitätsstrategie. Die Digitalisierung habe bei den Prozessen im Handel weiterhin eine wichtige Rolle gespielt – im Vergleich zu den Vorjahren jedoch weniger als Innovationstreiber für Customer Experience, sondern zunehmend als Hebel zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung (04:26).
KI zwischen Effizienz und Zurückhaltung
Ein zentrales Überthema des Jahres war künstliche Intelligenz, eingebettet in ein insgesamt unsicheres wirtschaftliches Umfeld – „KI greift dort ein, wo die Krise real ist.“, erklärt Prof. Dr. Reinartz (09:55). Die IFH FÖRDERER Schwerpunktstudie 2025 beleuchtete unter dem Titel „Transformation trifft Innovation – Smart Retail und AI im Handel“ den Status quo der KI-Nutzung: Rund drei Viertel der Händler:innen setzen KI zur Prozessoptimierung ein, etwa zur Automatisierung, Verbesserung der Datenqualität oder Senkung von Kosten (10:00). Gleichzeitig herrscht Zurückhaltung, was ihr disruptives Potenzial betrifft: Nur ein Drittel der Händler:innen erwartet eine revolutionäre Veränderung durch KI, viele planen den Einsatz nur punktuell und langfristig (12:50). Prof. Dr. Reinartz mahnt Unternehmen, offensiver an das Thema heranzugehen: „KI wird zum Betriebssystem des Handels: Heute spart sie Geld, morgen bestimmt sie, wer was kauft“ (14:22). Auch wenn das Tempo kurzfristig langsamer anlaufe, werde die Geschwindigkeit der Entwicklungen stark anziehen (15:28).
Ausblick: KI, Mensch und Verantwortung
Mit Blick auf das kommende Jahr zeichnet unser Gast ein differenziertes Zukunftsbild. Agentische KI sei nach aktuellem Stand noch nicht marktreif, langfristig jedoch durchaus entscheidend – weniger als eigenständiger Einkäufer, sondern als Kurator von Produkten (18:49). Durch KI erfolge seiner Meinung nach kein radikaler Bruch – wie ihn Jörg Hirt bei seinem HandelBar Besuch beschrieben hat – sondern eine leise, tiefgreifende Veränderung der Entscheidungslogik im Handel (17:20). Gleichzeitig bleibt der Faktor Mensch zentral: Je weniger persönliche Interaktion stattfindet, desto spröder werden Kundenbeziehungen (28:21). Entsprechend rücken für 2026 Themen wie Human Touch und Mensch-Maschine-Interaktion in den Fokus der nächsten IFH FÖRDERER Schwerpunktstudie, die wieder auf der FASZINATION HANDEL vorgestellt wird. Klar ist aber auch: Die Ausgangslage bleibt herausfordernd – und die Politik trägt eine große Verantwortung, faire Rahmenbedingungen zu schaffen und strukturelle Krisen aktiv zu adressieren (31:27)
Wir danken Prof. Dr. Reinartz für den abermals spannenden Einblick und blicken gemeinsam gespannt auf das neue Handelsjahr.






