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3. September 2025

Samstagmittag in einer deutschen Innenstadt: Wo früher das Gedränge vor den Schaufenstern groß war, stehen heute einige Ladenflächen leer. Zwischen Cafés und Boutiquen wechseln sich vitale Orte und Leerstände ab. Für Besucher:innen bedeutet das nur punktuell Inspiration und Einkaufserlebnis.

Für Kommunen ist diese Situation kein Einzelfall. Viele Innenstädte kämpfen mit sinkenden Besucherfrequenzen, wachsenden Leerständen und veränderten Konsumgewohnheiten. Während einzelne Handelskonzepte noch immer Anziehungskraft entfalten, geraten andere massiv unter Druck. Die Folge ist ein Bild der Gegensätze: lebendige Plätze mit Gastronomie und Begegnung auf der einen Seite, zunehmend verwaiste Straßenabschnitte auf der anderen.

Unsere Studie Vitale Innenstädte 2024 zeigt: Bürger:innen wünschen sich nach wie vor attraktive Zentren mit einem vielfältigen Mix aus Handel, Kultur und Gastronomie. Das Bedürfnis nach belebten Innenstädten ist also ungebrochen, doch die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Vor allem jüngere Zielgruppen verknüpfen Online- und Offline-Welten nahtlos miteinander und stellen dadurch neue Ansprüche an das Einkaufserlebnis.

Insgesamt sind es eine Vielzahl von tiefgreifenden Veränderungen, die viele Städte vor dieselben Herausforderungen stellen:

  • Rückgang der Kaufkraftbindung: Kaufkraft wandert zunehmend ins Netz ab.
  • Leerstände & Frequenzverlust: Fehlende Angebote mindern die Attraktivität für Besucher:innen.
  • Verändertes Konsumverhalten: Besonders junge Zielgruppen kaufen selektiver vor Ort ein.
  • Unsicherheit bei Investitionen: Ohne klare Standortbewertung ist die Zukunft vieler Flächen unklar.
  • Ungleichgewichte im Angebotsmix: Manche Warengruppen dominieren, während andere kaum vertreten sind – White Spots entstehen.

Die entscheidende Frage lautet daher: Welche Rolle soll der stationäre Einzelhandel künftig in der Zukunft Innenstadt spielen? Und wie kann eine kluge Expansion stationärer Handelsunternehmen zur nachhaltigen Stärkung der Stadtzentren beitragen?

Zu sehen ist eine Grafik über die Häufigkeit von Innenstadtbesuchen und Innenstadtaffinität.

Fundierte Datenanalyse als Basis für erfolgreiche Innenstadtentwicklung

Die Notwendigkeit der Stärkung und Expansion des Handels für ein Gelingen von Zukunft Innenstadt dürfte nicht von der Hand zu weisen sein. Schließlich ist der Einzelhandel für viele Innenstadtbesucher der größte Anziehungspunkt. Eine erfolgreiche Expansion des stationären Handels  und nachhaltige Innenstadtentwicklung kann jedoch nur auf Basis fundierter Daten und präziser Analysen gelingen.

Zentrale Bausteine hierfür sind:

  1. Regionale Markt- und Potenzialanalysen

Unsere regionalen Markt- und Potenzialanalysen liefern belastbare Informationen über Kaufkraft, Nachfrage und Konsumverhalten in einzelnen Stadtquartieren. Sie beinhalten unter anderem:

  • Kaufkraft & Ausgabepotenziale: Ermittlung regionaler Potenziale auf PLZ-Ebene, differenziert nach über 500 Warengruppen und spezifischen Zielgruppenmerkmalen, wie z. B. Preissensibilität.
  • Online- vs. Offline-Affinitäten: Analyse des Kaufverhaltens in der Region, um zu erkennen, wo die Tendenz zum Online-Shopping besonders stark ist und wo sich eine stationäre Präsenz lohnt.

Die Analysen geben Kommunen, Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung konkrete Handlungsempfehlungen, welche Standorte gezielt entwickelt werden können und wie Angebote punktgenau auf die Zielgruppen abgestimmt werden.

  1. Filialnetzoptimierung

Die Filialnetzoptimierung untersucht bestehende Standorte auf Basis eigener Umsatz- und Frequenzdaten sowie Standortbegehungen durch erfahrene Analysten. Sie umfasst:

  • Status-Quo-Bewertung: Analyse des bestehenden Filialnetzes einschließlich Imagebefragungen am Standort.
  • Optimale Netzstruktur: Ableitung der idealen Anzahl und Verteilung von Filialen, Identifikation potenzialstarker White Spots und möglicher Streichkandidaten.
  • Umsatzsimulation: Berechnung der Effekte einer Netzstraffung oder -erweiterung auf die Umsätze.

Diese Maßnahmen helfen, das bestehende Filialnetz effizienter zu gestalten, Ressourcen gezielt einzusetzen und Leerstände nachhaltig zu vermeiden.

  1. Standortbewertung & Expansion

Für die Expansion stationärer Einzelhandelsunternehmen und die Belebung der Innenstadt ist die Auswahl neuer Standorte entscheidend. Hierbei unterstützen wir mit:

  • Standortselektion: Identifikation attraktiver Expansionsstandorte auf Basis regionaler Marktanalysen und kontinuierlicher Konsumentenbefragungen zur Markenbekanntheit.
  • Immobilienbewertung: Prüfung von Leerständen über unsere LeAn-Datenbank, Bewertung konkreter Immobilienangebote und Erstellung fundierter Standortgutachten – auch für Bankgespräche geeignet.

Durch diese Maßnahmen können neue Standorte strategisch ausgewählt, Investitionsrisiken reduziert und die Innenstadt gezielt gestärkt werden.

  1. Kontinuierliches Monitoring

Da sich Innenstädte ständig verändern, ist ein kontinuierliches Monitoring entscheidend. Analysen werden regelmäßig aktualisiert, Strategien angepasst und die Expansion im Handel dynamisch gesteuert. So bleiben Entscheidungen langfristig belastbar.

  1. Integration von Online- und Offline-Kanälen

Die Verzahnung von stationärem Handel und digitaler Präsenz ist für eine zukunftsfähige Innenstadt unerlässlich. Analysen zu Online- vs. Offline-Affinitäten zeigen, welche Standorte besonders von einer Kombination beider Kanäle profitieren, um Besucherfrequenz, Reichweite und Umsatzpotenzial zu erhöhen.

Praxisbeispiele aus der Stadtentwicklung

Best Cases verdeutlichen die Umsetzung dieser Ansätze in der Praxis:

  • HOMie Homburg (2024–2025): Ein innerstädtischer Leerstand wurde als Reallabor genutzt, um Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene zu entwickeln. Workshops und Online-Beteiligung erhöhten die Attraktivität der Innenstadt für junge Zielgruppen.
  • München - von einer "Shopping-" zur "Erlebnis-Innenstadt" (2023–2024): Analyse der Münchener Innenstadt als Wirtschaftsstandort inklusive Befragungen, Ortsbegehungen und Workshops zur Ableitung von Handlungsempfehlungen für künftige Projekte.
  • Sofortstrategie Bad Neuenahr-Ahrweiler (2022–2023): Nach der Flutkatastrophe wurden Innenstadtbereiche analysiert und Maßnahmen mit Bürger:innen entwickelt, um die Innenstadt schnell und nachhaltig wiederzubeleben.
  • Creative City Oberhausen (2023–2024): Elf Teilprojekte mit Datenanalysen, Bürgerbeteiligung und Stärken-Schwächen-Analysen führten zu konkreten Maßnahmen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität und Nutzungsmöglichkeiten der Innenstadt.

Diese Beispiele zeigen, dass datenbasierte Ansätze flexibel eingesetzt werden können, um Innenstädte zu beleben, Leerstände zu reduzieren und Angebote punktgenau umzusetzen – unabhängig davon, welche einzelne Leistung im Vordergrund steht.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Referenzseite für Kommunen und Ministerien.

Grafik aus der Studie Vitale Innenstädte des IFH KÖLN, das ein Säulendiagramm zeigt, das die Erfolgsfaktoren der Innenstadt in Bezug auf Gesamtattraktivität zeigt. Die verschiedenen Erfolgsfaktoren werden nach ihrer Effektstärke und Bedeutung in dem Diagramm eingeteilt. Insgesamt werden 20 Erfolgsfsaktoren aufgelistet.

Vorteile von datenbasierter Expansion und Standortanalyse

Die Nutzung datenbasierter Analysen macht die Expansion stationärer Handel planbar, reduziert Risiken und fördert eine nachhaltige Innenstadtentwicklung. Die Vorteile hierbei sind:

  • Fundierte Entscheidungsgrundlagen: Daten statt Bauchgefühl – für sichere Investitionsentscheidungen.
  • Gezielte Stärkung der Innenstadt: Attraktive Standorte werden identifiziert, White Spots gezielt entwickelt.
  • Kaufkraftbindung vor Ort: Händler können Standorte auswählen, die Nachfrage und Zielgruppen optimal bedienen.
  • Minimierung von Leerständen: Frühzeitige Analyse zeigt Flächen mit Risiko oder Entwicklungspotenzial.
  • Nachhaltige Expansion: Standortselektion und Standorterweiterung werden strategisch geplant.
  • Transparenz für Fördermittel und Politik: Objektive Gutachten unterstützen Gespräche mit Investoren und Entscheidungsträgern.

Diese Vorteile sorgen dafür, dass Innenstädte nicht nur kurzfristig belebt werden, sondern langfristig als attraktive Orte für Handel, Kultur und Begegnung bestehen – und die Zukunft Innenstadt aktiv gestaltet wird.

Fazit: Strategische Entscheidungen für eine vitale Innenstadt

Innenstädte sind mehr als nur Einkaufsorte – sie sind gesellschaftliche und wirtschaftliche Zentren, die Identität und Lebensqualität einer Stadt prägen. Ihre Vitalität hängt davon ab, wie gut Handel, Stadtmarketing und Kommunen auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Besucher:innen reagieren. Gerade in Zeiten veränderter Konsumgewohnheiten und wachsender Leerstände entscheidet die Qualität der Entscheidungen über die langfristige Attraktivität der Innenstadt.

Datenbasierte Instrumente wie Standortanalyse, Filialnetzoptimierung, Standortbewertung und Potenzialanalysen Innenstädte liefern hierfür die entscheidende Grundlage. Sie machen sichtbar, wo Potenziale liegen, welche Standorte optimiert oder erweitert werden sollten und wie Maßnahmen die Besucherfrequenz nachhaltig steigern.

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Bild von Dr. Ralf Deckers von IFH KÖLN.
EXPERTE
Dr. Ralf Deckers

Dr. Ralf Deckers ist Bereichsleiter Strategic Insights & Analytics und Mitglied der Geschäftsleitung. Schwerpunkt seiner Tätigkeit sind Trend- und Zukunftsanalysen (B2C und B2B) im Kontext dynamischer Markt- und Wettbewerbsbedingungen.

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