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DIe EVENTS DES IFH KÖLN
8. Juli 2026

Die Zukunft unserer Innenstädte wird häufig als Konflikt zwischen Verkehrswende und Autoverkehr diskuiert. Die Ergebnisse einer aktuellen Bevölkerungsbefragung des IFH KÖLN in Zusammenarbeit mit LÖDIGE Industries "Urban Futures in Transition. Rethinking Mobility, Space and Access in European Cities" zeigen jedoch ein differenzierteres Bild: Die Menschen wünschen sich weder ein „Weiter so“ noch eine Politik der Einschränkungen. Stattdessen erwarten sie intelligente Lösungen, die Erreichbarkeit sichern, öffentliche Räume attraktiver machen und die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse zusammenbringen.

Ohne Zugang keine attraktive Innenstadt

Für die Bevölkerung beginnt Innenstadtattraktivität nicht bei Geschäften, Gastronomie oder Veranstaltungen – sondern beim Zugang. Wer nicht gut in die Innenstadt kommt, besucht sie seltener oder gar nicht. Für 93 Prozent der Befragten ist eine gute Erreichbarkeit Grundvoraussetzung für den Besuch einer Innenstadt. Gleichzeitig sagen 45 Prozent, dass sich die Erreichbarkeit in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert hat. Daraus entsteht eine zentrale Herausforderung für Städte und Kommunen: Wer die Attraktivität und Frequenz der Innenstädte stärken möchte, muss zuerst die Erreichbarkeit sicherstellen. Bemerkenswert ist dabei der pragmatische Blick der Bevölkerung auf Mobilität. Verbesserungen beim öffentlichen Nahverkehr werden ebenso begrüßt wie eine bessere Erreichbarkeit mit dem Auto. Die Menschen steht nicht das Verkehrsmittel im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie sie die Innenstadt einfach und zuverlässig erreichen kann.

Das Auto bleibt ein wichtiger Frequenztreiber

Trotz aller Diskussionen über die Verkehrswende bleibt das Auto das wichtigste Verkehrsmittel für den Innenstadtbesuch. 46 Prozent der Befragten nutzen überwiegend das Auto, weitere 13 Prozent kombinieren Auto und ÖPNV. Insgesamt fahren 80 Prozent zumindest gelegentlich mit dem Auto in die Innenstadt. Besonders deutlich zeigt sich dies außerhalb urbaner Zentren. Im ländlichen Raum nutzen 66 Prozent primär das Auto für ihren Innenstadtbesuch, während es in städtischen Regionen 36 Prozent sind. Gleichzeitig greifen auf dem Land 92 Prozent zumindest gelegentlich auf das Auto zurück – in Städten sind es 74 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich: Für viele Menschen ist das Auto keine Komfortoption, sondern eine notwendige Voraussetzung für die Teilhabe am innerstädtischen Leben. Das Auto wird auf absehbare Zeit Teil des Mobilitätsmixes bleiben. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Menschen mit dem Auto in die Innenstadt fahren, sondern wie diese Mobilität möglichst effizient und flächenschonend organisiert werden kann.

Parken ist kein Randthema

Eng mit der Bedeutung des Autos verknüpft ist die Frage des Parkens. Für 91 Prozent derjenigen, die hauptsächlich mit dem Auto in die Innenstadt fahren, sind gute Parkmöglichkeiten eine Grundvoraussetzung für ihren Besuch. Gleichzeitig nehmen immer mehr Menschen das Parken als problematisch wahr. Viele empfinden die Situation heute als schwieriger als noch vor einigen Jahren. Vor allem in Metropolen wird die Parkplatzsuche zunehmend als Hürde wahrgenommen. Parken wird damit zunehmend zu einer Besucherbarriere. Wer Innenstädte stärken möchte, muss deshalb auch Parkraum und Erreichbarkeit mitdenken.

Die Bevölkerung ist offener für Veränderungen als oft angenommen

Eine der spannendsten Erkenntnisse der Untersuchung sind die Bereitschaft und der Wille zur Transformation. Die Menschen hängen offenbar weniger am klassischen Straßenrandparkplatz, als häufig vermutet wird. 87 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass das Parken in Innenstädten anders organisiert werden sollte, wenn dadurch mehr Platz für Grünflächen und Aufenthaltsbereiche entsteht. 73 Prozent befürworten die Verlagerung von Parkplätzen in kompakte Parkhäuser oder Tiefgaragen. Zudem sind 69 Prozent überzeugt, dass insgesamt kompakter gebaut werden sollte. Die Bereitschaft zur Veränderung ist also vorhanden – solange die Erreichbarkeit erhalten bleibt.

Weniger Parkplätze? Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen

Die Bevölkerung lehnt Veränderungen nicht grundsätzlich ab. Entscheidend sind funktionierende Alternativen und ein sichtbarer Nutzen.

87 Prozent würden weniger Parkplätze akzeptieren, wenn stattdessen komfortable und gut erreichbare Parkhäuser oder Tiefgaragen zur Verfügung stünden. Für 86 Prozent ist wichtig, dass Bewohner:innen und Besucher:innen weiterhin fair mit dem Auto in die Innenstadt gelangen können. 81 Prozent nennen einen guten und bezahlbaren ÖPNV als Voraussetzung. Und 78 Prozent erwarten, dass frei werdende Flächen sichtbar für Grünanlagen, Aufenthaltsbereiche oder andere attraktive Nutzungen eingesetzt werden.

Akzeptanz entsteht damit nicht durch Einschränkungen, sondern durch Fairness, Alternativen und nachvollziehbare Vorteile.

Der eigentliche Konflikt lautet: Fläche versus Nutzung

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die häufig beschriebene Gegenüberstellung von „Auto gegen Stadt“ zu kurz greift. Tatsächlich geht es um die Frage, wie begrenzte Flächen künftig genutzt werden sollen. 87 Prozent der Befragten nehmen Flächenkonkurrenzen in Innenstädten wahr, 72 Prozent empfinden diese Konflikte als störend. 71 Prozent fordern eine hohe Priorität für deren Lösung. Gleichzeitig sind 86 Prozent überzeugt, dass die Auflösung dieser Konflikte Innenstädte attraktiver machen würde.

Besonders groß ist dabei der Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität. 84 Prozent möchten mehr Grün- und Verweilflächen in Innenstädten. Noch bemerkenswerter: 81 Prozent würden die Innenstadt häufiger besuchen, wenn dort mehr Aufenthaltsqualität geschaffen würde. Mehr Grün und attraktivere öffentliche Räume sind damit nicht nur ein gestalterisches Ziel, sondern können direkt zur Belebung der Innenstädte beitragen.

Balkendiagramm zum Thema „Raumkonflikte als zentrale Herausforderung der Innenstadt“. 87 Prozent der Befragten stimmen zu, dass Raumkonflikte in Innenstädten allgegenwärtig sind. 86 Prozent sagen, dass die Lösung dieser Konflikte Innenstädte attraktiver machen würde. 73 Prozent befürworten, Parkplätze und Parkbuchten durch kompakte Parkhäuser oder Tiefgaragen zu ersetzen. 72 Prozent empfinden Raumkonflikte als störend. 71 Prozent halten deren Lösung für eine hohe Priorität. Basis: 1.056 Befragte. Quelle: IFH KÖLN, Lödige Industries und BABLE, Studie „Urban Futures in Transition“ 2026.

 

Fazit: Die Menschen wollen bessere Organisation statt weniger Mobilität

Die zentrale Botschaft der Untersuchung ist eindeutig: Die Bevölkerung fordert keine Einschränkung von Erreichbarkeit, sondern eine bessere Organisation von Erreichbarkeit. Das Auto bleibt für viele Menschen Realität und wichtiger Bestandteil des Innenstadtbesuchs. Gleichzeitig sinkt die Akzeptanz für große Flächen, die ausschließlich dem Parken dienen.

Die vielleicht überraschendste Erkenntnis: Nicht die Bedeutung des Autos ist bemerkenswert, sondern die hohe Offenheit der Menschen, Parkraum aus dem öffentlichen Raum zu verlagern – vorausgesetzt, Zugang, Fairness und Aufenthaltsqualität verbessern sich spürbar.

Die Innenstadt der Zukunft ist aus Sicht der Bevölkerung weder autozentriert noch autofrei. Sie ist gut erreichbar, attraktiv gestaltet und schafft den Ausgleich zwischen Mobilität, Aufenthaltsqualität und einer intelligenten Nutzung des knappen öffentlichen Raums.

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