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DIe EVENTS DES IFH KÖLN
14. April 2022
Bild von Boris Hedde, Geschäftsführer IFH KÖLN

Medial wird gerade so oft wie selten zuvor über die Preissteigerungen im Handel gesprochen – kein Wunder, schließlich betreffen sie uns mittlerweile alle in unserem Alltag. Es begann mit der Coronakrise, jetzt kam noch der Ukrainekrieg dazu. Nachdem sichtbar wird, dass in Regalen Produkte fehlen oder sich Zustellungen verzögern, stellt sich bei immer mehr Konsument:innen die Frage, wie sie die gegeben Rahmenbedingungen einzuschätzen haben. Befeuert wird dies durch politische Aussagen, die den Peak des Wohlstands in Deutschland in der Vergangenheit sehen.

In unserer zuletzt durchgeführten Befragung des Trend Check Handel gab fast die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland und sogar etwa 70 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an, in Sorge und Angst um den Erhalt des Lebensstandards zu sein. Dies ist umso bemerkenswerter, wenn berücksichtigt wird, dass genau diese junge Zielgruppe vergleichsweise selbstbewusst und selbstbestimmt aufwächst bzw aufgewachsen ist und gesellschaftspolitische Fragen mehr und mehr im Fokus standen. Sinnbildlich ist hier die Fridays-For-Future Bewegung. Dass jetzt ausgerecht in dieser Gruppe Menschen die Unsicherheit und Angst so deutlich zum Ausdruck bringen, sollte alarmieren.

Natürlich schmerzen die Preissteigerungen, die kurzfristig in ausgewählten Kategorien zu nie gekannten Anstiegen führen. Und natürlich stellt sich gerade für Menschen in prekären Lebensverhältnissen die Frage, wie dort am besten Unterstützung zu leisten ist.

Gleichwohl sollte für das Gros der Gesellschaft und mit der wirtschaftlichen Tragkraft in der Bundesrepublik Zuversicht und Gelassenheit walten, um nicht aktionistisch zu agieren, sondern mit Bedacht und Weitsicht. In Deutschland und den anderen Kernmärkten Europas sind im Zusammenspiel von Handel und Herstellern über Jahrzehnte Versorgungssysteme aufgebaut worden, die nicht nur Versorgungssicherheit, sondern auch Preissicherheit im Fokus haben.

Daher ist es manchmal auch gut, das eigene Bauchgefühl mit objektiven Zahlen und Sachverhalten zu hinterfragen. Es ist nicht so, dass Preise über Nacht durch den Ukrainekrieg nach oben gesprungen sind. Vielmehr ist der Verlauf der Preisentwicklung gekoppelt an den Verlauf der letzten, durch die Coronakrise beeinflussten Jahre. Mit Lieferengpässen und Transportschwierigkeiten hat sich der Markt in puncto Angebot und Nachfrage verschoben. Wenn die Nachfrage größer wird, steigt der Preis. Diese Entwicklung wurde vergleichsweise gut gemeistert – obwohl die Preise seit Anfang 2021 stetig steigen, wie die Daten des statistischen Bundesamts zeigen (vgl. Grafik).

Grafik von Statistischem Bundesamt zu Verbraucherpreisen bei Nahrungsmitteln und Getränken

Dass jetzt mit dem Krieg in der Ukraine die Energiekosten zusätzlich so heftig angestiegen sind, erhöht die Herausforderung massiv. Gerade die Energiepreise sind Kosten, die alle Handelsbranchen und alle Wertschöpfungsstufen betreffen. Bei der Produktion oder Weiterverarbeitung von allen Produkten jeglicher Art machen sie sich bemerkbar. Und gerade energieintensive Bereiche wie der Lebensmittelmarkt sind besonders betroffen. Entsprechend ziehen die Preise aktuell überall an.
Es ist dabei zu erwarten, dass der Ukrainekrieg noch gar nicht in Gänze in den aktuell am Regal sichtbaren Preisen verankert ist. Wir müssen – da ist Ehrlichkeit zwingend – davon ausgehen, dass die Preise noch deutlich nach oben gehen werden. Entsprechend sind wir gefordert, zu überlegen, wie schlechter situierten Zielgruppen geholfen werden kann. Mein Eindruck ist, dass sowohl gesellschaftlich als auch politisch der Wille dafür da ist. Die Wirtschaftskraft Deutschlands ist dafür allemal in der Lage. Hier sind andere Nationen viel mehr in der Not.

Anlassgetriebene Nachfrageschübe: Ostern

Die Herausforderung bei der Bewältigung der Krise sind die sich potenzierenden Effekte. Und sie sind oftmals leider nicht monokausal begründet. Das macht den Weg zur Lösung schwer. Gerade jetzt - kurz vor Ostern – sind Eier das große Thema. Die Kosten dafür sind ebenfalls enorm gestiegen. Ursächlich kommen den Energiekosten und den Futtermitteln, die vor allem in der sogenannten Kornkammer Europas, der Ukraine, produziert wurden, jeweils eine große Bedeutung zu.. Gleichzeitig haben wir aber auch mit einer Geflügelpest zu tun, die aktuell wütet. Sie führt dazu, dass es schlicht weniger Hühner gibt. Das rückläufige Angebot führt zwangsläufig zu höheren Preisen. Vielfach sind es also unterschiedliche Aspekte, die zusammenwirken.
Entsprechend schwierig ist es, zu prognostizieren, wie stark und bis wann Krisenverläufe und Preisentwicklungen sich ändern werden. Am IFH KÖLN werden wir aber weiter intensiv aus Markt- und Kundensicht analysieren, wie sich Veränderungen im Wettbewerb und bei Kaufverhalten bemerkbar machen.

Es ist uns an dieser Stelle ein Anliegen, Zuversicht zu geben. Die Krisen werden gemeistert und im besten Falle ergeben sich auch neue Chancen für neue oder adaptierte Geschäftsmodelle. Die hohen Transportkosten, die vor allem auf gestiegene Energiepreise zurückzuführen sind, schaffen vielleicht den Raum, um wieder vermehrt und wirtschaftlich erfolgreich in Deutschland oder Europa zu produzieren. Dies wiederum kann zur Folge haben, dass nachhaltig orientierte und gesellschaftlich gewünschte Arbeitsprozesse und Methoden mehr Gewicht bekommen.
Alle Krisen der Vergangenheit haben immer Innovationen zur Folge gehabt. Anstelle allein Sorgen und Gefahren in den Fokus zu setzen, sollten wir den Blick auch auf die Chancen richten. Wir sollten zuversichtlich sein, die Krise wirtschaftlich und sozial verträglich zu meistern und sollten sie gleichzeitig nutzen, um neue Wege zu beschreiten.

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