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Zwei Jahre nach der Legalisierung: Apotheken sehen Cannabis-Reform mehrheitlich kritisch. Stärkere Rolle bei der Aufklärung, Verbot des Vertriebs über Online-Plattformen und strengere Regeln bei Verschreibung und Abgabe von Cannabisblüten gewünscht. Geschäftsklima weitgehend stabil, aber auf niedrigem Niveau.

Mit Inkrafttreten des Cannabisgesetzes am 1. April 2024 wurde Cannabis in Deutschland nicht nur für den Freizeitgebrauch teilweise legalisiert, sondern auch die Verschreibung und Abgabe von Cannabis für die medizinische Anwendung neu geregelt. So wird Cannabis seitdem nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft und kann einfacher ärztlich verordnet und über Apotheken abgegeben werden. Doch unter Apothekeninhaber:innen stößt die Cannabis-Legalisierung überwiegend auf Skepsis, wie die aktuelle Ausgabe des Apothekenkonjunkturindex (APOkix) zeigt: Knapp zwei Drittel der im Mai befragten Pharmazeut:innen (65 %) bewerten diese negativ, ein Viertel (26 %) neutral und nur 9 Prozent positiv. Viele Befragte äußern Zweifel an der rein medizinischen Nutzung von Medizinalcannabis. So haben 83 Prozent der Befragten den Verdacht, dass ein Großteil der in Apotheken abgegebenen Cannabisblüten dem Freizeitkonsum dient.

Wachsende Privatnachfrage – Cannabisextrakte und -blüten im Fokus

Vertrieben wird Medizinalcannabis den Angaben der befragten Apothekeninhaber:innen zufolge in knapp jeder zweiten Apotheke (46 %). Lediglich knapp zwei Prozent der Befragten geben an, dass die Abgabe von Medizinalcannabis eine hohe Bedeutung für ihre Apotheken habe. Am häufigsten abgegeben werden Cannabisextrakte (44 %), gefolgt von Cannabisblüten (30 %) sowie cannabishaltigen Rezepturen (17 %) und Fertigarzneimittel wie Sprays und Kapseln (9 %). Bei den Verordnungen sind Kassen- (54 %) und Privat-/Selbstzahlerrezepte (46 %) weitgehend gleichauf. Allerdings stieg die Zahl der Privat-/Selbstzahlerrezepte für Medizinalcannabis in den letzten 12 Monaten nach Angaben von 37 Prozent der Befragten – die Anzahl entsprechender Kassenrezepte stieg hingegen lediglich in knapp jeder vierten Apotheke (23 %).

Apotheken sollen gestärkt werden – Online-Vertrieb in der Kritik

Knapp zwei Drittel der Apothekerschaft (66 %) findet, dass Apotheken eine wichtige Rolle bei der Aufklärung der Bevölkerung über den sicheren Umgang mit Cannabis zugedacht werden sollte. Fast neun von zehn Befragten (86 %) begrüßen den Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums, demzufolge medizinisches Cannabis nicht mehr über Online-Plattformen vertrieben werden darf, sondern nur noch vor Ort in Apotheken erhältlich sein soll. Knapp drei Viertel (74 %) befürworten strengere Regeln zur Verschreibung und Abgabe von Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken. Lediglich ein Drittel der Befragten (33 %) hält den aktuellen gesetzlichen und regulatorischen Rahmen zur Verschreibung und Abgabe von Medizinalcannabis für ausreichend, zwei Drittel (67 %) teilen diese Meinung nicht.

Geschäftsklima weitgehend stabil, aber auf niedrigem Niveau

Im Mai ist der Index zur aktuellen Geschäftslage von 61,7 auf 58,0 Punkte gesunken. Der Index der Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate lag unverändert bei 40,2 Punkten. Damit entwickelt sich das Geschäftsklima seit Jahresbeginn weitgehend stabil auf niedrigem Niveau. Überdurchschnittlich viele Apotheken bewerten die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen negativ.

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Balkendiagramm mit dem Titel „Apotheken sehen Anpassungsbedarf bei der Cannabis-Regulierung“. Dargestellt sind die Einschätzungen von Apothekerinnen und Apothekern zu drei Aussagen (Angaben in Prozent). Aussage zur Begrenzung des Vertriebs von medizinischem Cannabis auf Apotheken vor Ort: 63 % stimmen voll und ganz zu, 23 % stimmen eher zu, 6 % stimmen eher nicht zu, 9 % stimmen nicht zu. Aussage zu strengeren Regeln für Verschreibung und Abgabe: 54 % stimmen voll und ganz zu, 20 % stimmen eher zu, jeweils 13 % stimmen eher nicht bzw. nicht zu. Aussage, dass der aktuelle gesetzliche Rahmen ausreichend ist: 9 % stimmen voll und ganz zu, 24 % stimmen eher zu, 26 % stimmen eher nicht zu und 41 % stimmen nicht zu. Farbcodierung: dunkles Blau (stimme voll und ganz zu), Blau (stimme eher zu), Grau (stimme eher nicht zu), hellgrau (stimme nicht zu). Stichprobe: n=96–104. Quelle: APOkix Mai 2026, IFH KÖLN.

Daten und Grafiken aus dieser Pressemitteilung dürfen nur im Rahmen journalistischer oder redaktioneller Zwecke genutzt werden. Die werbliche und kommerzielle Nutzung sowie Aufbereitung für eine vertragsbasierte Weitervermarktung sind untersagt. Dies gilt insbesondere für Statistikportale.

Über den APOkix

Der Apothekenkonjunkturindex APOkix des IFH KÖLN ist das Stimmungsbarometer im deutschen Apothekenmarkt. In den monatlichen Onlinebefragungen werden Apothekeninhaber:innen zur Einschätzung ihrer aktuellen und erwarteten Umsatzlage befragt. In monatlich wechselnden Zusatzfragen werden zudem aktuelle Marktthemen beleuchtet. Für den APOkix im Mai wurden im Zeitraum vom 04.05.2026 bis zum 17.05.2026 insgesamt 112 Apothekeninhaber:innen online befragt. Die APOkix-Teilnehmer:innen stammen aus dem gesamten Bundesgebiet und repräsentieren sowohl größere als auch kleinere Apotheken, wie auch Apotheken in städtischen und ländlichen Gebieten. Die aktuelle Befragung wirft einen Blick auf zwei Jahre Cannabis-Legalisierung. Der APOkix wird unterstützt von der NOWEDA eG Apothekergenossenschaft und dem Deutschen Apotheker Verlag.

Die aktuellen APOkix-Ergebnisse können im Shop des IFH KÖLN kostenfrei heruntergeladen werden.

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