Bürokratische Aufgaben belasten Apotheken weiterhin stark. Personal und Kund:innen leiden, freiwillige Leistungen unter Druck. Digitale Prozesse bringen bislang kaum Entlastung. Angekündigte Apothekenreform weckt wenig Hoffnung. Konjunkturindizes uneinheitlich.
In Apotheken bleibt Bürokratie ein drängendes Thema, wie die aktuelle Ausgabe des Apothekenkonjunkturindex (APOkix) zeigt. Dort geben 93 Prozent der befragten Apothekeninhaber:innen an, dass sie sich in ihren Apotheken (sehr) stark von bürokratischen Aufgaben im Arbeitsalltag beeinträchtig sehen. Vor allem bei den Apothekeninhaber:innen selbst ist die Belastung im Vergleich zu einer Befragung im Mai 2023 leicht gestiegen. So berichten mittlerweile 82 Prozent (Mai 2023: 79 %), dass im Durchschnitt mindestens ein Viertel bis mehr als die Hälfte eines Arbeitstages auf bürokratische Tätigkeiten entfällt. Bei angestellten Approbierten (April 2026: 40 %; Mai 2023: 50 %), PKA (April 2026: 25 %; Mai 2023: 35 %) sowie PTA (April 2026: 30 %; Mai 2023: 49 %) ist die Spitzenbelastung hingegen leicht rückläufig. Von der anstehenden Apothekenreform erwarten lediglich 9 Prozent der Befragten bürokratische Entlastung.
Unzufriedenheit steigt – digitale Prozesse entlasten bisher kaum
Die überwiegende Mehrheit (96 %) der befragten Apothekeninhaber:innen gibt an, dass Bürokratie im Apothekenalltag immer häufiger zu Unzufriedenheit bei Mitarbeitenden sowie höherem Personalbedarf bzw. höheren Personalkosten (95 %) führt. Fast ebenso viele (93 %) äußern, durch den hohen Verwaltungsaufwand immer mehr die Freude an der Ausübung des Apothekerberufs zu verlieren und nach Angaben von 92 Prozent ist Bürokratie auch ein großes Ärgernis für Kund:innen, das Unverständnis und Unzufriedenheit nach sich ziehe. 89 Prozent der Befragten geben zudem an, dass Bürokratie ein entscheidender Faktor dafür sei, dass sie in ihren Apotheken bestimmte Leistungen wie etwa Schutzimpfungen, Hilfsmittelversorgung und pharmazeutische Dienstleistungen nicht anbieten (können). Digitale Instrumente und Prozesse wie das E-Rezept und die elektronische Patientenakte (ePA) haben hingegen bisher kaum einen entlastenden Effekt: Nur 21 Prozent berichten über eine Entlastung durch das E-Rezept und 8 Prozent durch die ePA.
Bürokratieabbau: Retaxationen, Rabattverträge und Hilfsmittelversorgungen im Fokus
Danach gefragt, in welchen Bereichen Apothekeninhaber:innen den Abbau von Bürokratie als besonders dringlich empfinden, priorisieren acht von zehn (80 %) die Vermeidung und Bearbeitung von Retaxationen am höchsten, gefolgt von der Umsetzung der Rabattverträge und der Hilfsmittelversorgung inklusive Präqualifizierung (jeweils 61 %). Auf den Rängen vier und fünf der Prioritätenliste liegen das Qualitätsmanagement (56 %) sowie die Arzneimittelherstellung und -prüfung (49 %).
Geschäftslage weitgehend stabil – Geschäftserwartungen sinken
Im April setzen die Konjunkturindizes ihre Entwicklungen der letzten Monate in weiten Teilen fort: Der Index zur Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sinkt im April mit -0,2 leicht und liegt nun bei 61,7 Punkten. Der Index der Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate sinkt hingegen deutlich um 7,5 auf 40,2 Punkte im April.
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Über den APOkix
Der Apothekenkonjunkturindex APOkix des IFH KÖLN ist das Stimmungsbarometer im deutschen Apothekenmarkt. In den monatlichen Onlinebefragungen werden Apothekeninhaber:innen zur Einschätzung ihrer aktuellen und erwarteten Umsatzlage befragt. In monatlich wechselnden Zusatzfragen werden zudem aktuelle Marktthemen beleuchtet. Für den APOkix im April wurden im Zeitraum vom 07.04.2026 bis zum 19.04.2026 insgesamt 107 Apothekeninhaber:innen online befragt. Die APOkix-Teilnehmer:innen stammen aus dem gesamten Bundesgebiet und repräsentieren sowohl größere als auch kleinere Apotheken, wie auch Apotheken in städtischen und ländlichen Gebieten. Die aktuelle Befragung nimmt die weiterhin hohe bürokratische Belastung, die daraus resultierenden Implikationen und die von den Apotheken für den Bürokratieabbau priorisierten Bereiche in den Fokus. Der APOkix wird unterstützt von der NOWEDA eG Apothekergenossenschaft und dem Deutschen Apotheker Verlag.
Die aktuellen APOkix-Ergebnisse können im Shop des IFH KÖLN kostenfrei heruntergeladen werden.






