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Künstliche Intelligenz: Auf ein Wort mit… Achim Himmelreich von Capgemini (Teil 2)

Datum: 22.01.2020
Achim Himmelreich, Global Head Consumer Engagement bei Capgemini

Achim Himmelreich, Global Head Consumer Engagement bei Capgemini; © Capgemini

Den Markt für Künstliche Intelligenz treiben vor allem China und die USA voran; Europa nur auf dem Anwenderplatz

Es scheint, als würde sich Europa in Sachen Künstlicher Intelligenz in Zukunft mit der Rolle des Anwenders zufriedengeben müssen. Im zweiten Teil unseres Interviews mit Achim Himmelreich, Global Head Consumer Engagement bei Capgemini, sprechen wir daher über den internationalen Wettbewerb und warum die DSGVO hierbei als gesamtvolkswirtschaftliche Bedrohung gesehen werden muss.

Kai Hudetz: Wie genau werden sich Wertschöpfungsketten durch Künstliche Intelligenz verändern?

Achim Himmelreich: Ein Stichwort ist die Belieferung der sogenannten „Letzten Meile“. Aktuell ein schwieriges Thema, da die derzeitigen Strukturen noch nicht zufriedenstellend sind. Hierbei kann KI unterstützend fungieren, um auf neue Modelle und Wege zu stoßen. Es ist jedoch so, dass rund 90 Prozent der Digitalisierungsprojekte nichts am Geschäftsmodell selbst ändern. Meist werden sie genutzt, um bestimmte Aspekte des Geschäftsmodells zu verändern. Nehmen Sie als Beispiel Spotify: Es werden keine Platten mehr verkauft, sondern nur noch der Zugang zu Musik. Durch KI werden diese teilweise disruptiven Veränderungen in einer schnelleren Abfolge geschehen.

Welche möglichen Entwicklungen sehen Sie speziell für die Handelsbranche?

Himmelreich: Der Handel nähert sich seinen Kund*innen immer weiter an. Bei den Endkund*innen wird ein Bedürfnis geweckt, welches in Zukunft durch KI vorhersehbarer wird, d. h. Anbieter wissen bereits vorher, was die Kundin oder der Kunde möchte oder gar verlangt. Um im Wettbewerbsvergleich nicht den Anschluss zu verlieren, muss der Handel langsam anfangen, in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln. Diese sind wichtig, um einen vertrauenswürdigen und loyalen Zugang zu seinen Kund*innen aufzubauen. Wenn dies nicht gelingt, wird der Handel in die Röhre gucken. Daher muss die Devise lauten: Schmeißt die alten Gewohnheiten über Bord!

Der Entwicklungsstand der Unternehmen ist sehr heterogen: Manche arbeiten bereits recht professionell mit Data Scientists, andere Unternehmen fangen erst langsam an, sich KI zu nähern. Wie finden Unternehmen, die den Sprung wagen wollen, den besten Einstieg?

Himmelreich: Viele Unternehmen haben tatsächlich eine große Scheu davor und denken, sie bräuchten direkt große Serverfarmen, KI-Spezialisten etc. Doch dies ist nicht der Fall. Man muss diesen Unternehmen zeigen, dass sie für den Einstieg auf bereits bestehende und erprobte Lösungen zurückgreifen können, um Erfahrungen zu sammeln. Neuronale Netze müssen nicht von jeder Mitarbeiterin oder jedem Mitarbeiter in der Tiefe verstanden werden. Hierbei stehen  interne Data Scientist oder Externe zur Verfügung, die die Analysen machen. Es ist wirklich kein Hexenwerk, in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln.

Gibt es denn gewisse Risiken für Unternehmen, die diese im Hinterkopf behalten sollten?

Himmelreich: Nein. Eigentlich nicht. Ich sehe eher gesamtvolkswirtschaftlich eine Bedrohung durch KI: Zum einen, wie wir als Gesellschaft damit umgehen und zum anderen, im Hinblick darauf, wie andere Gesellschaften und Länder den Umgang mit KI regeln und wie sicher diese Lösungen dann in der Anwendung sind. Es ist bekannt, dass Unternehmen wie Amazon und Google viel mehr Daten verarbeiten dürfen als europäische Unternehmen aufgrund der lockeren Datennutzung und -freigabe. China hat sich beispielsweise dazu entschlossen, alle Daten nutzbar zu machen. Europa hingegen hat aus ethischen Gründen die Nutzung von Daten limitiert. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass deutsche Unternehmen KI verwenden müssen, die beispielsweise in China angelernt wurde und ethisch ganz andere Standards hat, als Europa sie begrüßen würde. Dieser laxere Datenschutz ist somit für China auch ein enormer Wettbewerbsvorteil. Auch die Budgets, die in China für KI zur Verfügung gestellt werden, sind um ein Vielfaches größer.

Es scheint, als würde sich Europa in Zukunft mit der Rolle des Anwenders zufriedengeben müssen, da wir von China und den USA abgehängt werden.

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