Unser letzter HandelBar-Gast in diesem Jahr blickt auf den Handel wie kein Zweiter: Josef Sanktjohanser – Mitinhaber von PETZ REWE, Ehrenpräsident des Handelsverbands Deutschland (sein Nachfolger Dr. Alexander von Preen war in unserer 100. Folge zu Gast) und Präsident der IFH FÖRDERER, hat uns für diese Folge am IFH KÖLN besucht und mit Host Dr. Kai Hudetz über seine Passion für den Handel gesprochen. Dabei durfte neben dem Rückblick auf hundert Jahre PETZ REWE – inklusive gebundener Firmengeschichte – auch der Blick auf die Zukunft des Lebensmittelhandel nicht fehlen.

Vom akademischen Fundament zu 100 Jahren PETZ REWE
Gleich zu Beginn betont unser Gast die Bedeutung wissenschaftlicher Fundamente für den Handel, weshalb sein Engagement bei den IFH FÖRDERERN ihm besonders wichtig sei (03:27).
Diese Verbindung zwischen Wissenschaft und Handel hin zur Politik sei für ihn auch einer der Gründe gewesen, sich im HDE zu engagieren (06:33) Mit Blick auf die Vergangenheit hob er hervor, dass Entwicklungen früh zu erkennen eine zentrale Rolle im Handel und für den Erfolg von PETZ REWE spiele – so war der väterliche Betrieb 1956 einer der ersten Selbstbedienungsläden nach amerikanischem Vorbild (10:15).
Wettbewerb, Preise und politische Rahmenbedingungen
Im aktuellen Krisenmodus sei ein wichtiger Punkt neben dem Preis, die Kund:innen mit den richtigen Services und Convenience zu überzeugen und als Händler flexibel auf Kundenbedürfnisse zu reagieren – eine Beobachtung, die Stefanie Holl mit Blick auf REWE eFood teilt (15:39). Die Diskussion um höhere Lebensmittelpreise stellte er klar: Margen bewegten sich auf Normalniveau, während Investitionen und faire Löhne entlang der Lieferkette zwingend notwendig seien (23:34). Damit der Handel in der Krise besteht, sei es eine der wichtigsten Aufgaben der Politik faire und gleiche Rahmenbedingungen zu schaffen (29:40).
Wettbewerb müsse klar und einheitlich geregelt sein, auch im internationalen Kontext, etwa bei B2C-Importen über asiatische Plattformen (32:06).
Zukunft des LEH: Markt als sozialer Raum und hybride Checkout-Systeme
Mit Blick auf die nächsten Jahre sieht Josef Sanktjohanser den stationären Lebensmittelhandel besonders in Zeiten der Digitalisierung als wichtigen sozialen Treffpunkt – menschliche Interaktion bleibt ein entscheidender Faktor, wie auch Jörg Hirt von REWE digital bei seinem HandelBar-Besuch herausstellte (34:35). Auswahl, Haptik und Frische blieben zentrale Gründe für den Einkauf vor Ort, betont Josef Sanktjohanser (37:04) Gleichzeitig entwickele sich der digitale Kanal kontinuierlich weiter: Hybride Checkout-Systeme würden deutlich besser angenommen als reine Self-Checkout-Lösungen (39:11). Pick-and-Go-Verfahren seien dabei die Speerspitze, vorausgesetzt, ein stabiles digitales Fundament sei vorhanden (41:10). Trotz KI und Automatisierung ist sich unser Gast sicher: Sorgen vor Personalabbau durch Digitalisierung seien unbegründet, da Mitarbeitende vielmehr in anderen Aufgabenbereichen eingesetzt würden (42:22).
Wir danken Josef Sanktjohanser für die langjährige Zusammenarbeit und treue Unterstützung und beobachten weiterhin gemeinsam, was die Zukunft des Handels bereithält.






