Köln, 20. Juli 2009. Anders als Einzelhändler in anderen Branchen unterliegen Apotheken bei der Abgabe verschriebener Arzneimittel einem zivilrechtlichen Kontrahierungszwang. Demnach sind sie verpflichtet, rund 9.000 Präparate in verschiedenen Packungs- und Darreichungsformen, in Summe ca. 60.000 Arzneimittel, in der Apotheke vorzuhalten oder kurzfristig zu beschaffen. Nichts anderes erwarten auch die Verbraucher. Nicht vorrätige Arzneimittel und längere Bestellzeiten werden von ihnen kritisch beurteilt und führen häufig zum Apothekenwechsel. Die schnelle Verfügbarkeit der Arzneimittel ist damit sowohl unter Versorgungsgesichtspunkten als auch mit Blick auf die Erwartungen der Verbraucher und die unternehmerischen Interessen der Apothekeninhaberinnen und -inhaber zwingend erforderlich. Der Aufbau eines umfassenden Apothekenlagers bindet jedoch in hohem Maße Kapital und zieht entsprechende Kosten nach sich. Die Bestell- und Lagerhaltungspolitik stellt damit einen zentralen Erfolgsfaktor, aber auch eine der größten Herausforderungen der Apothekenführung dar. Die Ergebnisse des vom Institut für Handelsforschung (IfH) durchgeführten Apothekenbetriebsvergleichs zeigen, dass die Optimierung des Apothekenlagers bereits weit fortgeschritten ist.
Überdurchschnittlicher Lagerumschlag
Dem IfH-Betriebsvergleich zufolge wurden der Lagerbestand und damit auch die Kapitalbindungskosten in der Apotheke in den letzten Jahren deutlich reduziert. So sank der durchschnittliche Lagerbestand je qm Geschäftsfläche zwischen 2005 und 2007 von 650 € auf 554 € (-15 %). Der Lagerumschlag erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 11,3 auf 12,2 (+8 %). Gemessen am Lagerumschlag des Jahres 2000 von 9,1 betrug der Anstieg gut ein Drittel (+34 %); bezogen auf 1995 liegt die Veränderungsrate bei rund 47 %. Im Vergleich zu anderen Einzelhandelsbranchen weisen Apotheken damit einen überdurchschnittlich hohen Lagerumschlag auf. So erreichte der Textileinzelhandel im Jahr 2007 gemäß den Betriebsvergleichsergebnissen des IfH einen Durchschnittswert von 3,0 und für den Schuheinzelhandel wurde ein Lagerumschlag von 1,6 ermittelt. Auch der Sortimentsbuchhandel blieb mit einem durchschnittlichen Lagerumschlag von 5,2 deutlich hinter den Apotheken zurück. Lediglich im Lebensmitteleinzelhandel lag der Lagerumschlag mit 12,8 oberhalb des Wertes der Apotheken. Unter Effizienzgesichtspunkten schneidet das Apothekenlager damit überdurchschnittlich gut ab.
Unterstützung durch den pharmazeutischen Großhandel
Unterstützung bei der Optimierung ihrer Bestell- und Lagerhaltungspolitik erfahren Apotheken durch den pharmazeutischen Großhandel. Dieser hält Arzneimittel und andere apothekenübliche Waren in großen Mengen vor und liefert diese mehrmals täglich in bedarfsgerechten Mengen aus. Im Durchschnitt werden Apotheken von einem Großhändler dreimal am Tag beliefert. Wie pharmazeutische Großhändler Apotheken im Hinblick auf ihre Lagerhaltung entlasten, zeigt sich im Bestell- und Lieferverhalten der beiden Akteure. So ordern Apotheken in einer Bestellung verhältnismäßig viele unterschiedliche Präparate in kleinsten Mengen von einer großen Zahl an Herstellern: Ein Apothekenauftrag bezieht sich im Schnitt auf Waren von 9,4 Herstellern; je Präparat werden durchschnittlich 1,79 Packungen bestellt. Im Durchschnitt bündeln die pharmazeutischen Großhändler in einer Auslieferung insgesamt 16,2 Präparate. Die Zeitspanne von der Auftragsannahme bis zur Auslieferung in der Apotheke beträgt im Mittel 1,7 Stunden; unter Versorgungsgesichtspunkten ein hervorragendes Ergebnis.
Verlässlichkeit, Vertrauen und enge Verzahnung als Voraussetzungen
Die Optimierung des Apothekenlagers ist ein Beispiel dafür, wie gut Apotheken und pharmazeutische Großhändler unter Versorgungs- und Effizienzgesichtspunkten zusammenarbeiten. Voraussetzungen hierfür sind sowohl der verlässliche und vertrauensvolle Umgang miteinander als auch die enge Verzahnung der beiden Wirtschaftsstufen, wie sie sich beispielsweise in elektronischen Bestellsystemen äußert.
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Bestell- und Lieferverhalten von Apotheken und pharmazeutischen Großhandlungen (Durchschnittswerte 2007)

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